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Wie man politische Kreativität fördern kann: CSU-Abgeordnete Dagmar Wöhrl im Interview mit den Nürnberger Nachrichten 02/03/2013

Nürnberger Nachrichten 02/03/2013 Interview: HARALD BAUMER Sie hört zwar gerne Musik, hat aber im Berliner Arbeitsalltag zu wenig Zeit für Theater und Oper: Die CSU-Bundestagsabgeordnete Dagmar Wöhrl vor dem Konzerthaus Berlin.Plenarsaal, Büro, Abgeordnetenbude — sehr viel mehr sehen Politiker in den Sitzungswochen des Bundestages in der Regel nicht von Berlin. Wir entführen deswegen die fünf Nürnberger Bundestagsabgeordneten an ungewohnte Orte in der Hauptstadt und sprechen mit ihnen über wichtige Themen des Lebens. Für Folge vier trafen wir Dagmar Wöhrl (CSU), Vorsitzende des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, und sprachen mit ihr am Gendarmenmarkt über die Bereicherung des Lebens durch Kultur.

Frau Wöhrl, Berlin ist mit fünf großen Schauspielhäusern, drei Opern sowie zahllosen Museen und Galerien so etwas wie die inoffizielle Kulturhauptstadt der Welt. Abgeordnete, Staatssekretäre und Minister trifft man allerdings selten in Konzertsälen und Opernhäusern. Haben unsere Politiker so wenig Interesse an Kultur?

Dagmar Wöhrl: Da möchte ich auch im Namen meiner Kolleginnen und Kollegen energisch widersprechen. Bei den allermeisten mangelt es nicht an Interesse, sondern an Zeit. Gerade in Sitzungswochen ist der Terminkalender extrem dicht. Arbeitsgruppen und Ausschüsse, Plenum, späte Sitzungen und Abstimmungen, parlamentarische Abende — die Arbeit hat natürlich Vorrang, dafür sind wir ja schließlich gewählt.

Aber könnte es nicht gerade für den Alltag eines Politikers ein Gewinn sein, sich neben all der Gesetzgebungsarbeit mal auf andere Weise mit einem Thema auseinanderzusetzen? Im Deutschen Theater läuft zum Beispiel derzeit „Fluchtpunkt Berlin“, ein gut recherchiertes Stück über die fast 50 Millionen Menschen auf der Erde, die ihre Heimat verlassen mussten . . .

Wöhrl: Das klingt in der Tat sehr interessant. Vielleicht schaffe ich es demnächst, mir ein paar Stunden freizuschaufeln und eine Vorstellung zu besuchen. Ich halte es für eine gute Idee, wenn man sich mal auf neue und außergewöhnliche Art und Weise einem Problem annähert. Das tun wir Politiker bestimmt zu selten. Dabei ist auch in der Politik durchaus Kreativität gefragt.

Was bedeutet Kultur für Sie persönlich? Haben Sie eine besondere Neigung für eine der Sparten — Theater, Musik, Bildende Kunst, Literatur, Ballett, Oper?

Wöhrl: Aber ja, im Grunde finde ich das alles spannend. Aber wenn ich eines besonders hervorheben müsste, dann wäre es die Musik. Und zwar vor allem deswegen, weil sie die größte Brücke zwischen den Völkern ist. Man muss kein Hintergrundwissen haben, muss nicht einer bestimmten Kultur entstammen. Es ergreift einen einfach, wenn man die Musik hört. Sie geht direkt ins Blut. . .

Ein Beispiel, bitte . . .

Wöhrl: Ich verehre Daniel Barenboim, den Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper. Nicht nur, weil er ein begnadeter Dirigent und Pianist ist, sondern auch wegen seines West-Eastern Divan Orchestra, in dem junge Musiker aus Israel, den palästinensischen Autonomiegebieten und dem Libanon zusammenspielen. Das hat er trotz großer politischer Widerstände durchgesetzt und dadurch ein Zeichen gegeben in einem der ältesten Konflikte der Nachkriegsgeschichte. Die Kunst bringt Menschen zusammen, ist das nicht wunderbar?

Aber Sie haben wahrscheinlich wenig Gelegenheit, in Konzerte zu gehen?

Wöhrl: Natürlich gehe ich in Konzerte, wenn auch längst nicht so oft, wie ich das gerne täte. Herrn Barenboim habe ich auch schon live erlebt. Aber das ist ja das Schöne an der Musik, dass man sie auch zu Hause genießen kann, indem man eine CD einlegt. Das mache ich immer wieder gern. Ich habe mir zum Beispiel auch angewöhnt, mir über jedes Land, das ich als Ausschussvorsitzende besuche, vorher eine CD mit der typischen Musik zu besorgen. Das benutze ich — neben den ganzen Akten — als Einstimmung und Vorbereitung auf die Reise.

Wenn wir schon über Kultur sprechen, dann muss ich Sie natürlich auch fragen: Welches Buch liegt momentan bei Ihnen auf dem Nachttisch?

Wöhrl: Bei mir liegt wirklich immer ein Buch auf dem Nachttisch — egal, ob in Nürnberg oder in Berlin. Ein paar Seiten will ich vor dem Einschlafen schon schaffen. Das bringt mir einen Abstand vom Tage. Momentan lese ich „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ von Jonas Jonasson — ein herrlich skurriles Roadmovie und ein absurder, humorvoller und aufschlussreicher Streifzug durch die politische Geschichte der letzten hundert Jahre.

Nürnberger Nachrichten 02/03/2013
Interview: HARALD BAUMER

Nürnberger Nachrichten 02/03/2013 Interview: HARALD BAUMER Sie hört zwar gerne Musik, hat aber im Berliner Arbeitsalltag zu wenig Zeit für Theater und Oper: Die CSU-Bundestagsabgeordnete Dagmar Wöhrl vor dem Konzerthaus Berlin.

Sie hört zwar gerne Musik, hat aber im Berliner Arbeitsalltag zu wenig Zeit für Theater und Oper: Die CSU-Bundestagsabgeordnete Dagmar Wöhrl vor dem Konzerthaus Berlin.

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