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Dieser Artikel stammt aus der Zeit meiner politischen Arbeit bis Oktober 2017 und kann überholte Informationen enthalten.

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Fachkräftemangel: Wer ernten will, muss säen

Die Wirtschaft brummt nicht mehr ganz so laut, die Arbeitslosigkeit nimmt dennoch immer weiter ab. Ein Arbeitsmarktwunder? Nein, kein Wunder, sondern das Ergebnis ehrgeiziger Reformen. Wir haben in den letzten Jahren viel getan, um Voraussetzungen für unsere Wirtschaft zu schaffen, mit denen auch bei schwierigen Bedingungen der Wachstumskurs gehalten werden kann. Das war nicht leicht. Auch ich musste mit meinem Eifer viele Hindernisse bewältigen: „Das haben wir immer schon so gemacht, das machen wir auch weiter so“. Diesen Satz höre ich leider immer noch oft, wenn ich Menschen ermuntere, neue, bessere Wege zu gehen. Diesen Satz können wir uns aber immer weniger leisten. Wir dürfen mit unserem Elan nicht nachlassen. Nicht jetzt. Denn gerade auf dem Arbeitsmarkt ist noch viel zu tun. Vor allem brauchen wir jetzt eine Reform in den Köpfen, um eines der drängendsten Probleme für unser Land zu lösen – den Fachkräftemangel.

Wer ernten will, muss säen. Eine alte, unumstößliche Bauernregel, die auch auf dem Arbeitsmarkt Gültigkeit hat. Viele Personalchefs aber auch Bildungspolitiker haben sie leider nicht immer verfolgt. Ergebnis: Im Jahr 2006 konnten 230.000 offene Fachkräftepositionen nicht besetzt werden – vor allem in den sog. MINT-Berufen. MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Gegenwärtig fehlen in Deutschland zum Beispiel 95.000 Ingenieure. Allein daraus resultiert ein Wertschöpfungsverlust von 7,2 Milliarden Euro. Eine Studie im Auftrag meines Bundeswirtschaftsministeriums bezifferte den Wertschöpfungsverlust aufgrund des gesamten Fachkräftemangels im Jahr 2006 auf 18,5 Milliarden. Euro. Der DIHK spricht für 2007 sogar von 23 Milliarden Euro.

Das Problem wird sich mittelfristig noch deutlich verschärfen. Und in den vielen Gesprächen, die ich mit Verantwortlichen führe, merke ich immer wieder: Der massive Einfluss der Bevölkerungsentwicklung auf das Fachkräftepotential wird noch von vielen unterschätzt. Schon im kommenden Jahrzehnt könnte sich der Fachkräftemangel als dauerhafte Wachstumbremse für die deutsche Wirtschaft erweisen. Studien bestätigen mich. Ein Beispiel: Wenn nicht gegengesteuert wird, fehlen nach Berechnungen des Instituts zur Zukunft der Arbeit im Jahr 2030 ca. 240.000 Ingenieure.

Besonders ärgert mich, dass gerade kleine und mittlere Unternehmen auf der Jagd nach den begehrten Fachkräften oft den Kürzeren ziehen. Denn gegen die Großen im Geschäft können sie mit ihren knappen Budgets oft nicht konkurrieren. Daher ist die Bekämpfung des Fachkräftemangels auch ein Topthema meiner Arbeit für den Mittelstand. Um die Wachstumsbremse Fachkräftemangel zu lösen, brauchen wir Änderungen im Bewusstsein der Unternehmen und Fachkräfte, bei der Berufswahl und in der Bildungsstruktur. Vor allem müssen wir junge Leute motivieren. Besonders für technische Berufe.

Bei den vielen Aktionen, die ich mit Schülerinnen und Schülern starte, gilt daher die Devise: Naturwissenschaften und Technik – das sind nicht einfach Lerneinheiten. Sie stehen für Spannung, Forschergeist und Faszination. Um dieses Motto Wirklichkeit werden zu lassen, suche ich immer wieder starke Partner in Wirtschaft und Wissenschaft, die wissen: Jeder Cent, der in die Förderung von jungen Menschen mit technischen Qualifikationen gesteckt wird, ist eine Investition in die Zukunft. Mit dieser Haltung treten wir das Gaspedal durch. Nur so wird Deutschland seinen Vorsprung halten.

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