„Shopping mit VIP-Service“ aus DER SPIEGEL 9/2012, Seite 46

Da ich mich umfassend zu den Vorwürfen im SPIEGEL äußern möchte, finden Sie nachstehend den Originalwortlaut des Artikels. Die farblich markierten Absätze sind mit Nummern versehen unter denen Sie im unteren Teil des Artikels meine Kommentare und Richtigstellungen zu den jeweiligen Aussagen finden.

Shopping mit VIP-Service
aus DER SPIEGEL 9/2012, Seite 46

Die frühere Schönheitskönigin Dagmar Wöhrl ist Vorsitzende des Entwicklungsausschusses. Ihr Auftreten im Ausland befremdet viele.

Dagmar Wöhrl war nicht amüsiert. Das registrierten Mitreisende und Botschaftsangehörige schnell. Wöhrl war gerade in der laotischen Hauptstadt Vientiane angekommen und musste feststellen, dass ein wichtiger Programmpunkt fehlte: Es war keine Zeit für eine Shoppingtour vorgesehen.
Die CSU-Politikerin ließ der Botschaft übermitteln, dass sie einzukaufen wünsche.
#1

Der Lebensgefährte des Botschafters erklärte sich bereit, die Dame zu begleiten. Die Botschaften wissen, dass es nicht gut ist, wenn Abgeordnete verärgert sind. Und Wöhrl ist nicht irgendwer. Vor 35 Jahren trug Wöhrl die Krone der „Miss Germany“. Sie war Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium. Horst Seehofer verlieh ihr den Bayerischen Verdienstorden, sie trägt das Bundesverdienstkreuz am Band. Auch als Schauspielerin hat sie schon Aufsehen erregt, mit einer Nebenrolle in einem Erotikfilm.

Heute ist Wöhrl, 57, Vorsitzende des Entwicklungsausschusses des Bundestags. In dieser Funktion war sie mit Entwicklungsminister Dirk Niebel eine Woche lang in Burma und Laos unterwegs. Sie hatte sich freiwillig für die Reise gemeldet. „Es klang interessant“, sagte sie. Doch dann stellte sich heraus, dass die Ministerialbürokratie ihre Bedürfnisse offenbar nur unzureichend berücksichtigt hatte.

Es wurde eine Einkaufstour mit Hindernissen. Der Botschaftergatte wartete zunächst vergebens. Die anspruchsvolle Dame erschien nicht zum vereinbarten Treffpunkt. Sie hatte entschieden, den Termin beim Außenminister wahrzunehmen und dafür den anschließenden Besuch einer Berufsschule zu schwänzen.
#2

Wöhrl hatte aber vergessen, ihren Begleiter über ihren Sinneswandel zu informieren. Sie war trotzdem höchst erbost darüber, dass er nicht vor dem Außenministerium erschien, um sie zum Shopping abzuholen. Niebel musste die aufgebrachte Abgeordnete persönlich beruhigen. Schließlich traf man sich doch zum Einkaufen.
#3

Beim offiziellen Abendessen, das die laotische Parlamentspräsidentin für die deutsche Delegation gab, tauchte Wöhrl wieder auf. Und erneut lief es nicht wie geplant. Die Dame von der CSU ließ sich wie selbstverständlich an der Seite Niebels nieder. Doch der Minister wies darauf hin, dass der Platz laut Protokoll für den Botschafter vorgesehen sei. Wöhrl fand, der Botschafter könne sich doch auf einen anderen Platz setzen. Niebel blieb stur.
#4

Den Rest des Abends fummelte die Ausschussvorsitzende meist an ihrem Handy herum, statt sich mit ihren laotischen Tischnachbarn zu unterhalten.
#5

Dabei hatte die Reise schön begonnen. Gleich bei der ersten Station in Burma gab es eine Einkaufsmöglichkeit. In einem von der Welthungerhilfe unterstützten Dorf kaufte Wöhrl zum Ärger der Entwicklungshelfer ein besticktes Handtäschchen für 25 Dollar, für das die Frauen im Ort sonst 2 Dollar bekommen. Den 100-Dollar-Schein, mit dem sie vor den Einheimischen herumwedelte, konnte niemand wechseln. Eine Kollegin von der Linken half ihr aus der Patsche (siehe „Personalien“, SPIEGEL 8/2012).
#6

Zwei Tage darauf stand der wichtigste politische Termin der Reise auf dem Programm: der Besuch bei Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi in Rangun. Wöhrl musste sich freilich mit den anderen Abgeordneten um einen Platz neben der Oppositionsführerin balgen. Die deutschen Parlamentarier sprangen so ungeniert um die prominente Gastgeberin herum, dass unter deutschen Diplomaten das Wort Fremdschämen fiel.
#7

Aung San Suu Kyi ist eine beeindruckende Frau, sie hat 15 Jahre im Hausarrest verbracht. Sie strahlt eine große Würde aus, ihr Englisch ist makellos. Und sie sieht sehr gut aus, was ihr beim Besuch der Deutschen viele Komplimente eintrug.

Das Lob der Mitreisenden für die Schönheit der Nobelpreisträgerin ärgerte offenbar die ehemalige Schönheitskönigin Wöhrl. Die Frau sei doch sehr auf sich bezogen, mäkelte sie. Und Wöhrl fand auch eine sehr eigenwillige Erklärung für das strahlende Äußere der Friedensnobelpreisträgerin: Die Frau habe schließlich „jahrelang keinen Stress gehabt“.
#8

Wöhrl selbst hat die Reise anders in Erinnerung. Die Berufsschule habe sie nicht besucht, weil sie Anfragen aus Deutschland zum Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff gehabt habe. Für das Einkaufen habe sie nur 25 Minuten Zeit gehabt. Wo der Botschafter gesessen habe, wisse sie nicht mehr genau. Und an ihre Aussagen zu Aung San Suu Kyi erinnere sie sich nicht mehr im Einzelnen. Sie seien aber „durchweg positiv und als besondere Wertschätzung gemeint“ gewesen.

RALF NEUKIRCH
DER SPIEGEL 9/2012, Seite 46

 

Hier meine Kommentare zu den einzelnen Punkten:

#1

Weder habe ich einen „Programmpunkt Shopping-Tour“ gefordert, noch einen ähnlichen Wunsch an die Botschaft „übermittelt“. Da unser Reiseprogramm nur kurze Pausen von ca. 30 Minuten, beispielsweise mittags, vorgesehen hat, habe ich mich bei den Botschaftsmitarbeitern erkundigt, wo in der Nähe des Hotels Mitbringsel erworben werden könnten.

#2

Ich hatte nie vor den Termin mit dem Außenminister abzusagen und habe ihn deshalb auch folgerichtig wahrgenommen. Dieser Termin war von 13:30 bis 14 Uhr angesetzt. Der nächste Termin danach mit dem Bildungsminister war für 15 Uhr vorgesehen; der Umweltminister war eine Stunde später eingeplant. So stand das Zeitfenster zwischen 14 und 15 Uhr zur freien Verfügung.

Am Vorabend beim Empfang der Botschaft wurde mir durch den Ehemann des deutschen Botschafters, der sich selbst als „General Manager in der Residenz des Botschafters“ auf seiner Visitenkarte bezeichnete, eine einheimische Unternehmerin vorgestellt, die einen hohen Stellenwert bei der Botschaft zu genießen schien. Als ich von ihr um einen Besuch gebeten wurde, war es naheliegend das freie Zeitfenster zu nutzen und der Lebenspartner des Botschafters bot mir an, mich zu begleiten.

Der Termin mit dem Außenminister dauerte nun aber nicht, wie eingeplant, nur 30 Minuten, sondern eine Stunde, so dass bis zu dem Termin mit dem Bildungsminister nur noch 30 freie Minuten zur Verfügung standen. Daraufhin bat ich den Botschafter seinen Lebenspartner, der versehentlich am Hotel und nicht beim Außenminister wartete, zu informieren. Infolgedessen echauffierte sich der Botschafter, dass ich seinen Mann so lange warten ließe. So fuhr ich selbst zum Hotel, um ihm die Änderungen persönlich mitzuteilen.

Da das besagte kleine Unternehmen aber nur ca. 5 Minuten vom Hotel entfernt war, entschlossen wir uns schließlich doch noch, kurz vorbeizuschauen. Pünktlich um 15 Uhr war ich beim Treffen mit dem Bildungsminister. Vorher hatte mir der Lebenspartner des Botschafters noch angeboten, mit mir vor der Abfahrt zum Empfang der laotischen Parlamentspräsidentin am Abend, zu einigen Läden vor dem Hotel zu gehen, um ein paar Mitbringsel zu besorgen.

Inzwischen erreichte mich die erste SMS meiner Mitarbeiter, dass die Staatsanwaltschaft am Abend des Vortages beantragt hatte, die Immunität des Bundespräsidenten aufzuheben. Wir waren der Auffassung, dass dies zwangsläufig zum Rücktritt führen müsse und ich somit erreichbar sein sollte, um dann gegebenenfalls Pressestatements erarbeiten zu können. Da ich nur im Hotel Wlan hatte, habe ich zu diesem Zeitpunkt entschieden, den letzten Termin vor dem Empfang der laotischen Parlamentspräsidentin abzusagen, um in meinem Hotelzimmer arbeiten zu können. Dies geschah im Einvernehmen mit Minister Niebel.

Während der beiden folgenden Termine, informierte mich mein Büro dann darüber, dass Bundespräsident Wulff eine Presseerklärung angekündigt hätte. Wenig später erhielt ich eine weitere SMS, dass Kanzlerin Merkel ihre Italienreise abgesagt hatte. Nun gingen wir von einem definitiven Rücktritt des Bundespräsidenten aus. Nach dem Treffen mit dem Umweltminister bin ich zurück in das Hotel gefahren, habe die Presseerklärung überarbeitet und meinem Team eine endgültige Version freigegeben, die dann wenig später per Email von meinem Wahlkreisbüro auch an unseren Presseverteiler versendet wurde. Da nun auch vermehrt Anfragen der Nürnberger Presse bzgl. des Rücktritts im Büro eintrafen, sagte ich meinem Team, sie sollen mir das alles per Mail weiterleiten und ich würde es in 30 Minuten bearbeiten.

Daraufhin habe ich mit dem Gatten des Botschafters, der netterweise in der Lobby des Hotels auf mich wartete, in der Umgebung des Hotels einige Mitbringsel erworben. Anschließend habe ich noch Medikamente gegen meine Halsschmerzen besorgt. Nach ca. 30 Min war ich wieder auf meinem Zimmer, habe die restlichen Anfragen und Emails bearbeitet, mich für den Empfang der laotischen Parlamentspräsidentin fertig gemacht und schließlich pünktlich an diesem Termin teilgenommen.

#3

Über die anscheinende Misskommunikation zwischen dem Lebensgefährten des Botschafters und mir war ich keineswegs „erbost“. Bei meinem Gespräch hierüber mit dem Botschafter war Minister Niebel nicht beteiligt. Er konnte sich hierzu also nicht äußern. Da er weder dabei und ich auch nicht „erbost“ war, konnte er und hat er mich auch nicht „beruhigt“. Er äußerte sich hierzu überhaupt nicht.

#4

Es stimmt nicht, dass ich mich beim Abendessen der laotischen Parlamentspräsidentin auf den Platz des Botschafters gesetzt habe. Folglich ist auch falsch, dass Minister Niebel mich darauf hingewiesen haben soll, dass dieser Platz laut dem Protokoll für den Botschafter reserviert sein soll. Somit ist folglich auch falsch, dass ich befunden haben soll, der Botschafter solle auf einem anderen Platz sitzen und demzufolge auch, dass Minister Niebel „stur“ blieb.

#5

Es stimmt, dass ich aufgrund des Rücktritts von Bundespräsident Wulff immer wieder Anrufe und SMS erhalten habe und deshalb auch öfter auf mein Handy schaute, als es die Tisch-Etikette vielleicht gebieten mag. Jedoch ist „meist“ maßlos übertrieben.

#6

Aus unserem Reiseprogramm war nicht ersichtlich, dass an diesem Termin, die Möglichkeit bestehen würde, den Einheimischen etwas abzukaufen. Ich tue dies grundsätzlich auf all meinen Reisen, um die lokale Wirtschaft anzukurbeln und den Menschen für ihre Arbeit einen Gegenwert zu geben. Da mir bewusst war, dass ich nicht mit einem 100-Dollar-Schein bezahlen konnte, habe ich innerhalb der Reisegruppe gefragt, ob mir jemand diesen Schein wechseln könne. Dabei kam es zu einer ungewöhnlichen Koalition, denn MdB Annette Groth von der LINKEN hat mir netterweise 25 Dollar geliehen. Soviel hat die Tasche gekostet, die ich dort von lokalen Händlern erworben habe und nicht nur zwei Dollar, wie dies im SPIEGEL bereits zweimal behauptet wurde. Zudem war es kein „besticktes Handtäschchen“, sondern ein, wie in diesen Ländern üblicher, Stoffbeutel. Auch hatte sich kein Entwicklungshelfer hierüber bei mir beschwert. Im Gegenteil kam mir der Preis von 25 $ für diesen Beutel und diese Region etwas hoch vor, worauf ich nachgefragt habe, ob der Preis in Ordnung sei. Dies wurde mir bestätigt und daraufhin habe ich den Beutel gekauft; in dem Glauben damit etwas Gutes zu tun.

#7

Während des Gesprächs mit Aung San Suu Kyi in deren Privathaus saß Minister Niebel auf der einen Seite neben der Friedensnobelpreisträgerin und ich als Ausschussvorsitzende auf der anderen Seite von ihr. Gegen Ende des Gesprächs haben mich meine Bundestagskollegen gebeten, ob wir nicht die Plätze tauschen könnten, da sie auch einmal neben Aung San Suu Kyi sitzen wollten. Diesem Wunsch meiner Kollegen bin ich nachgekommen und habe mich weggesetzt.

#8

Ich habe im Laufe der Reise zahlreiche Gespräche mit Journalisten, Kollegen und Mitarbeitern der Botschaft geführt, sodass ich mich an den genauen Wortlaut dieses Gespräches nicht mehr erinnern kann. Was ich in mehreren Gesprächen über Aung San Suu Kyi zum Ausdruck bringen wollte, war, dass die Friedensnobelpreisträgerin eine sehr starke Frau ist, der man die 20 Jahre Hausarrest und die auch damit verbundenen physischen und psychischen Qualen nicht ansieht. Dies war durchweg positiv und als besondere Wertschätzung gemeint. Falls meine Wortwahl dies aber nicht so zum Ausdruck gebracht haben sollte, tut mir dies von Herzen leid. Nichts liegt mir ferner, als die durch ihre Standhaftigkeit gebrachten Opfer und Entbehrungen schmälern zu wollen. Ich denke, meine Tweets über das Treffen, die ich relativ zeitnah abgesetzt habe, haben dies deutlich zum Ausdruck gebracht.

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7 Kommentare zu „Shopping mit VIP-Service“ aus DER SPIEGEL 9/2012, Seite 46

  1. Toe 29. Februar 2012 at 00:44 #

    Danke für diese Darstellung. Sie hat mich zum Nachdenken gebracht.
    Die Berichterstattung im Spiegel hatte ich gelesen, sie ergab aus meiner Sicht Sinn – insofern habe ich die Empörung geteilt.
    Nun wurde mir aber zumindest klar, dass journalistisch unsauber und mit ganz billigen Klischees gearbeitet wurde.
    Ich wünsche Ihnen und „der Sache“ eine Aufklärung.

  2. freddy 27. Februar 2012 at 16:41 #

    Denke :WIR tun,ohne zu tun,und alles wird getan.

  3. gast 26. Februar 2012 at 21:33 #

    wollen sie damit etwa tatsächlich sagen dass man nicht alles glauben darf was der spiegel so schreibt?
    ich bin schockiert.

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