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Im Hamsterrad: Dagmar Wöhrl als Dauerwahlkämpferin – nordbayern.de 02.09.2013

Es gibt Zeiten, da sieht die Karriereleiter aus wie ein Hamsterrad. Dann ist Wahlkampf. Am Tag, an dem Dagmar Wöhrl in ihren persönlichen Bundestagswahlkampf 2013 einsteigt, scheinen den Wählern nur drei immergleiche Fragen am Herzen zu liegen.

Dagmar Wöhrl will zum sechsten Mal als Abgeordnete der CSU nach Berlin berufen werden. Deshalb lächelt sie in CSU-Blau am Stehtisch alle Passanten an. Auf einem Gehsteig, der vom Bundestag, ihrem Tor zur Welt, gefühlsmäßig noch viel weiter entfernt liegt als nur die 440 Autobahnkilometer: an der Fürther Straße mitten in Gostenhof. Wöhrls Konkurrentin ums Direktmandat, Gabriela Heinrich von der SPD, lächelt gegenüber von einem Plakat zurück. Live sind die beiden Frauen einander erst zweimal kurz begegnet.

„Ich kenn’ Sie noch von früher, aus Stein“, sagt da ein Mann schüchtern. In der Kleinstadt Stein steht Wöhrls Elternhaus. Der Mann sieht arm aus, krank. Er nimmt sich eine Karte mit und lächelt jetzt auch. „Verantwortung kennt keinen Feierabend“ steht darauf, über einem Foto der Kandidatin am nächtlich erleuchteten Schreibtisch.

In Wöhrls Wahlkreis Nürnberg-Nord bringt Gostenhof die schlechtesten CSU-Ergebnisse. Hier sitzen die Marxisten. Die Unternehmersgattin und frühere Wirtschafts-Staatssekretärin mit der blendenden Erscheinung läuft an Graffiti vorüber, die „Kapitalismus abschaffen!“ und „Fight the system“ fordern. Kurz: Rund um die Fürther Straße braucht sogar die CSU Selbstironie.

Solche Symbolik lässt Dagmar Wöhrl kalt. Der Auftakt in Gostenhof – sie mag das Viertel wegen seiner türkischen Lokale – sei Zufall. 

„Ich bringe mein Büro auf die Straße“, sagt sie und: „Ich habe die Arbeit an der Basis immer gemocht. Da erfährst du unglaublich viel.“

In der folgenden Stunde betritt sie ein Sanitätshaus, eine italienische Confiserie, einen Kindergarten der Johanniter, ein Seniorenheim und einen Biergarten. Der CSU-Ortsverband hat die Tour geplant, ähnliche Stadtteilspaziergänge veranstaltet Wöhrl regelmäßig. Wie immer läuft ein Tross aus Fans und treuen älteren Parteimitgliedern mit. Kulturen begegnen sich auf skurrile Weise. „Wir haben kein Problem mit Ausländern“, lässt eine CSU-Seniorin die Dame in der italienischen Bar wissen. „Wir sind keine Ausländer, wir sind Deutsch-Italiener“, entgegnet die höflich. „In Gostenhof fühlt man sich wohl, da gibt es keine Ausländer.“

Der Rundgang dient dem Sich-Sehenlassen, ohne zu große Verbindlichkeiten. Informationen strömen auf Dagmar Wöhrl ein, in der Confiserie gibt es Zitronentörtchen dazu. Es geht um Schilder und Schlägereien, um ein halblegales Wettbüro, das einen Nachbarladen ärgert. Wöhrl bedankt sich überall, verspricht, sich zu kümmern. Im Altenheim lässt sie ihre Mitarbeiterin eine Unterhaltung sogar aufzeichnen. Eine Bewohnerin bemängelt bei der Volksvertreterin einen fehlenden Überweg für Rollstuhlfahrer. Klein-klein? „Es beschäftigt die Frau sehr“, wendet Dagmar Wöhrl ein, „das muss man respektieren, dafür sind wir gewählt.“

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Nürnberger Zeitung
Isabel Lauer
02.09.2013

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