It’s the internet, stupid! Web 2.0 ist nicht Geschichte, sondern der Anfang.

Manchmal wundert man sich schon über Texte, Pressemitteilungen und Gastkommentare von Kollegen/-Innen, sei es aus der eigenen Partei, sei es aus den anderen. Und auch gestern wieder hat es ein Kollege geschafft die Aufmerksamkeit der Netzgemeinde auf sich und das Handelsblatt zu lenken.

Seine persönliche Meinung zu äußern ist in unserem Land ein gutes Recht, das gerade auch im Netz gelebt und eingefordert wird. Insofern ist es auch gut, wenn man seine Meinung in gekennzeichneten Gastkommentaren veröffentlichen kann. Man muss dann aber auch mit der Kritik leben können. Und bei all der Diskussion um Sopa, Pipa, Acta, Netzsperren oder Zensursula möchte ich mich einmal mit ein paar grundlegenden Gedanken zu Wort melden.

Der Blumenkübel-Moment

Gestern hatte ich ihn wieder: den „Blumenkübel-Moment“. Die einen werden sich nur zu gut an die berühmte Blumenkübel-Geschichte bei Twitter erinnern. Die anderen werden nun mit fragenden Augen diesen Text weiterlesen (oder ihn zu Seite legen). Denn was die Twitter-Gemeinde einige tagelang beschäftigte, ist in der realen Welt kaum wahrgenommen worden. Was hier ein „trending topic“ war, war andererseits keine Nachricht wert. Was will ich damit sagen? Es scheint zwei Parallelwelten zu geben. Eine digitale, die stetig wächst, und eine reale, die nicht kleiner wird, aber durchlässiger. Was die einen Menschen umtreibt und um den Schlaf bringt, löst bei anderen nicht einmal ein Wimpernzucken aus. Dabei möchte ich gleich feststellen, dass ich weder die Begriffe „reale Welt“ noch „Netzgemeinde“ als Kampfbegriffe, die irgendwie ideologisch gefärbt sind, verwenden will. Denn schließlich sind wir einfach alle nur Menschen mit dem kleinen Unterschied, dass die einen etwas mehr Verständnis vom Internet haben und in der Digitalisierung weiter fortgeschritten sind, als die anderen.

Ein Artikel, der die Netzgemeinde frontal angreift und ihr einen „Untergang“ vorhersagt, wird wenig helfen, diese beiden Gruppen zusammenzuführen. Statt so „Stuhlgewitter“(via @saschalobo) auf sich zu ziehen und mit absolutem Unverständnis der anderen Seite gegenüber aufzutreten (von der für mich befremdlichen Kriegsrhetorik möchte ich gar nicht sprechen), sollten – gerade wir Politiker – Brücken bauen.

Digitale Brücken – indem wir uns ohne Scheuklappen ins Netz wagen und auf Tuchfühlung gehen.

Reale Brücken – indem wir durch Veranstaltungen im echten Leben, die mannigfachen Gesichter hinter den noch fantasievolleren Avataren kennenlernen.

Silver Surfer

Ich bin nun alles andere als ein „digital native“. Mit meinem schon ein bisschen fortgeschrittenen Alter (auch wenn ich mich nicht wirklich so alt fühle), gehöre ich ja eigentlich schon zu den „silver Surfern“. Und auch gebe ich weder vor ein Internet-/Netz-/ oder Technikexperte zu sein, noch gehört die Netzpolitik zu meinen Steckenpferden. Und als CSU-Abgeordnete ist das Misstrauen im Netz von Natur aus erst einmal groß.

Im Gegenteil ging die Entwicklung des Internets und die Digitalisierung lange an mir vorbei. Ja, ich gebe auch zu, dass ich lange zu den Menschen gehörte, die Emails ausgedruckt haben.

Für mich kam der Wendepunkt mit zwei Entwicklungen: iPad und Twitter

Ich möchte hier gar keine Schleichwerbung für ein Unternehmen machen, das mit seinem Quartalsgewinn Griechenlands Haushaltsprobleme lösen könnte. Auch möchte ich nicht in die Götzenverehrung eines Steve Jobs einstimmen. Aber für mich persönlich war das iPad eine Revolution und meine Tür ins Internet. Inzwischen schreibe ich rund um die Uhr Mails , kaufe im Internet ein, lese meine e-papers, recherchiere für Reden und buche auch schon einmal Flüge online. Mit meiner lieben Kollegin Doro Bär tausche ich mich über interessante und teils abgefahrene Apps aus und ab und zu entdecke ich inzwischen neue Videos, die nicht einmal meine jungen Mitarbeiter kennen. 🙂

Dabei bin ich an das Thema Internet neugierig und unvoreingenommen herangegangen und habe es schätzen und lieben gelernt. Natürlich sind mir auch negative Entwicklungen aufgefallen: so kann man schnell sehr viel Zeit „versurfen“, anstatt die To-Do-Liste abzuarbeiten. Auch liefert wahrlich nicht jeder Blog Qualitätsjournalismus und manchmal habe ich das Gefühl, alle Verschwörungstheoretiker dieser Welt leben sich derzeit im Netz aus. Zudem ist natürlich der ständige Nachrichtenfluss Fluch und Segen zugleich.

Die zweite Entwicklung, die mein Verständnis vom Netz völlig verändert hat, ist Twitter.

Ehrlich gesagt habe ich mit dem Twittern – zunächst auch mit Hilfe meines Teams – in 2009 aus wahlkampftaktischen Gründen angefangen. Auch hier gab es bei mir den großen Schub durch das iPhone, womit ich von überall aus einfach Twittern konnte. Und während ich am Anfang Twitter ausschließlich als „Wo-bin-ich-gerade-und-was-mache-ich-heute-tolles-Tool“ nutzte, ohne mit meinen Followern zu kommunizieren, wurde mir erst peu-a-peu klar, was hinter der „Idee Twitter“ steckt.

Inzwischen habe ich tolle Menschen kennengelernt. Ich bekomme ungefiltertes Feedback, Hilfe von meinen Tweeps, kann mich austauschen, oder auch einmal wieder über den FCN jammern. Ich bekomme immer mehr Einladungen einfach per direct message, anstatt auf dem mühsamen Postweg – dies ist schneller und schont auch noch die Umwelt. Und ab und an schaffe ich es auch einmal zu einem Twittagessen. Die Leserbriefe von gestern, sind die Tweets von heute.

Twitter ist meine persönliche digitale Brücke zu den Menschen geworden. Nicht nur in meinem Wahlkreis oder Franken, sondern in ganz Deutschland und der Welt – und glauben Sie mir, da ist ein toller Austausch möglich!

Im September 2011 war ich auf Auslandsreise in Ägypten, dort habe ich in der Tahrir-Lounge im Goethe Institut in Kairo ägyptische Twitterer, Blogger und Internetaktivisten getroffen, die über das Internet ihre Revolution organisiert und ihre Ideen von Freiheit transportiert haben. Was als Stimmen von einzelnen begann, wurde dank der Verbreitungsmöglichkeiten im Internet, zu einem unüberhörbaren Chor der Entrüsteten. Die Arabellion wurde auch in Deutschland – zu Recht- gefeiert.

Aber heute zum ersten Jahrestag ist die Euphorie etwas verfolgen. Die Internetgemeinde ist auf die reale Welt gestoßen, die weit weniger liberal und progressiv ist. Im Gegenteil zeigen die Wahlergebnisse, dass die Bevölkerung weit religiöser und weniger internetaffin ist, als von vielen (im Ausland) gehofft.

Auch hier wieder ein Beispiel für die zwei Parallelwelten.

Mehr Internet wagen

Dennoch ist mein Fazit: Ohne Internet geht zukünftig  nichts mehr. Und deshalb werden alle hiermit verbundenen Themen wichtiger werden.
Die Piraten haben ihr Umfeld gefunden, weil sie die Zeichen der Zeit erkannt haben. Allerdings muss man auch sagen, dass sie darüber hinaus auch noch nicht viel mehr erkannt bzw. geleistet haben.

Es gilt aber auch festzustellen, dass es eben so viel mehr und manchmal (man mag es kaum glauben) auch wichtigere Themen als das Internet/ die Netzpolitik gibt. Und so wie die Piratenpartei zu eigentlich allen Themen außer dem Internet Lösungen auf die Fragen und Nöte der Menschen finden muss, so müssen die anderen Parteien Antworten auf die Bedürfnisse der Netzgemeinde finden. Politisch erfolgreich wird künftig sein, wer beide Pole am besten verbinden können wird. Denn meines Erachtens ist es falsch, die Problematiken der Netzpolitik immer abgekoppelt von den anderen Politikfeldern zu sehen. Nichts ist monokausal und eine derartige Betrachtungsweise ist schlicht zu eingeengt, um dauerhafte und allseits befriedende Lösungen zu finden.

Warum dieser Text?

Die gestrige Diskussion hat mir keine Ruhe gelassen. Gedanken, die sich über Monate entwickelt haben, wollte ich einmal zu Papier bringen. 🙂

Mein Vorschlag ist, wir sollten die reale nicht gegen die digitale Welt ausspielen, sondern vernünftig miteinander reden. Dies gilt allerdings für beide Seiten. Denn häufig reagiert die Netzgemeinde mit übertriebenen Hohn und Spott auf Ansichten, die sie in dieser Form nicht teilt. Diese Reaktionen tragen aber nicht gerade dazu bei, dass internetkritische Politiker ihr Herz für die Netzpolitik entdecken. Auch die Reaktionen auf den Kommentar meines Kollegen im Netz waren einmal wieder einmal übertrieben. Auch bei den schier nicht enden wollenden Tweets von Volker Beck zu diesem Thema habe ich mich gefragt, ob es ihm eigentlich um die Netzpolitik geht, oder nur um Unions-Bashing?

Auch kann ich manchmal nicht nachvollziehen (und so wird es vielen Politikern gehen), dass gegen den Staat und die Regierung ein derartiges Misstrauen herrscht. Dagegen wird Internet/- und Technikunternehmen, die nichts anderes als kapitalistische Big Player sind, häufig blind vertraut. Diese Unternehmen mögen vielleicht in ihren Gründerjahren ehrenwerte Ziele verfolgt haben. Aber börsennotierte Konzerne, verfolgen sicherlich nicht ausschließlich das Wohl und Wehe der Netzgemeinde. Gleichzeitig möchte ich auch gar nicht abstreiten, dass der Staat und seine Vertreter kritisch bei ihrer Arbeit begleitet werden sollten. Auch hier ist viel Raum für beide Seiten, um sich auf einem gesunden Niveau des Misstrauens, aber auch des Vertrauens zu treffen.

Genauso wenig verstehe ich, wie manche Kollegen/-Innen Pressemitteilungen en masse veröffentlichen, obwohl ihnen offensichtlich die Expertise auf diesem Gebiet fehlt oder zu mindestens die Toleranz Dinge auch einmal aus einer anderen Perspektive zu sehen. Wenn selbst ich als politischer Oldie, CSU-Frau und aus Bayern kommend, den Weg ins Netz geschafft habe, dann sollte es doch die Mehrheit meiner Kollegen/-Innen erst recht schaffen. Zu mindestens einen Versuch wäre es doch wert, oder?

Fraglich bleibt nun, wie wir mit all diesen Themen in Zukunft umgehen.

Ein indianisches Sprichwort sagt: Du sollst nicht über einen anderen urteilen, wenn du nicht mindestens 100 Meter in seinen Mokassins gelaufen bist.

In diesem Sinne wünsche ich mir, dass die internetkritischen Politiker und Zeitgenossen sich mit unvoreingenommener Neugier diesem Themenkomplex annehmen und einmal versuchen, politische Fragen auch aus der Perspektive der Netzgemeinde zu betrachten.

Gleichzeitig wünsche ich mir, dass auch die Netzgemeinde erkennt, dass es nicht nur eine Wahrheit gibt und dass sich nicht alle Lebenssachverhalte einfach digitalisieren lassen. Ich möchte die Menschen, die sich im Internet und in der digitalisierten Welt zuhause fühlen ermuntern, neuen Usern unter die Arme zu greifen und sie so auf die zahlreichen Vorteile des Internets aufmerksam zu machen. Dabei möchte ich noch einmal klarstellen, dass der digitale Bruch durch die Gesellschaft nicht entlang einer Altersgrenze zu erkennen ist. Beispielsweise habe ich neulich meinen Sohn aufgeklärt, was ein #Hashtag ist. 🙂

Web 2.0 ist nicht Geschichte, sondern der Anfang.

Und es wird geprägt, von den Menschen, die es nutzen. Wir müssen aber die Vorteile und Scheu hiergegen abbauen. Als es die ersten Autos gaben, hatten die Menschen auch hiervor Angst. Heute sehe ich aber kaum mehr Pferdefuhrwerke auf den Straßen. Als der erste Mann in die Lüfte ging, wollte ihm kaum einer folgen. Heute freuen wir uns, wenn wir mit hunderten anderen Passagieren in einem A380 fliegen können. Veränderung, Neues, Ungewohntes ist per se nichts Schlimmes. Was sich daraus entwickeln kann, liegt aber an uns allen!

Zusammen können wir sicherlich mehr erreichen, als gegeneinander. Lasst uns in einen ehrlichen und vorurteilsfreien Dialog treten. Lasst uns die verschiedenen Thematiken und Probleme offen diskutieren. Ich habe das Gefühl, dies könnte ein sehr interessanter Austausch werden.

Und wie es zu Zeiten Bill Clintons in den 90er Jahren noch hieß: It’s the economy, stupid! So muss es heute wohl heißen: It’s the internet, stupid!

(Eintrag fürs Logbuch: Es ist nun 0:15 – musste mir diesen Text einfach einmal von der Seele schreiben. Eure Silver Surferin Dagmar Wöhrl:-) )

PDF Download, Statement, 31. Januar 2012

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54 Kommentare zu It’s the internet, stupid! Web 2.0 ist nicht Geschichte, sondern der Anfang.

  1. Domsalla 28. November 2012 at 09:20 #

    Sehr geehrte Fr. Wöhrl,

    Sie beschreiben exakt das, was Sie „Brücke“ nennen. Der Unterschied zwischen „Internetfreund“ und „Internetfeind“ ist zumeist nur die Benutzung des Netzes. Das macht die Diskussion so schwer. Die meisten Gegner haben keine Ahnung, wovon sie sprechen und weichen dann ins theoretische Moor aus. Sie bringen Argumente, die zu einer nicht-digitalen Welt gehören. Aber diese Welt existiert nicht mehr. Das Internet ist unwiederbringlicher Teil der Welt. Man kann sagen, dank Internet war noch nie soviel Welt wie heute 😉

    Von daher gibt es beim Brückenbauen einen einfachen Trick: Zuerst fragen, ob jemand das Internet in dem Kontext, den er kritisiert, selber genutzt hat. Wenn nein: eigene Erfahrungen bringen, oder das mangelnde Wissen explizit machen.

    Das geht übrigends auch gut bei den Netzaktivisten, einfach mal fragen, welche praktischen Erfahrungen sie zum Thema haben.
    Die meisten Diskussionen werden dann schnell ruhig.

    Ihr bemerkenswerter Artikel hat den Weg beschritten, weiter so 😉 Das Internet ist kein Wert an sich, es ist nur Infrastruktur, wie eine Straße. Was wir damit machen, nur an dieser Stelle, werden konservative Werte wichtig. Dafür brauchen wir aber zunächst Straßen, die für alle funktionieren.

  2. Sebstian 9. Februar 2012 at 19:45 #

    Sehr geehrte Frau Wöhrl, schön dass man auch mal was vernünftiges von Politikern der CSU zum Thema Internet lesen kann. Behalten Sie Ihren Kurs bei.

  3. Lutz Krause 4. Februar 2012 at 10:21 #

    Nein, man muß nicht Fan von Ansgar Hevelings sein. Ein Beitrag, der jedoch soviel Aufruhr bei der sog. Netzgemeinde erzeugt macht neugierig – gelassene Souveränität sieht auf jeden Fall anders aus.

    Um einen Aspekt von Heveling aufzugreifen:

    Natürlich wird das Web künftig nicht bedeutungslos, dazu ist es einfach zu praktisch. Was verschwinden wird (und bei einer relevanten Mehrheit erst gar nicht vorhanden scheint) ist die Potenzierung einer schlichen Technologie zu Heimat, Bedeutung und Sinnstiftung bis hin zum messianischen Erlösungsmythos. Als Signatur einer ‘verlorenen Generation’ im Kontext durchaus verständlich, kann die künstliche Bedeutungsaufladung nicht ohne Widerspruch bleiben.

    Statt als Möglichkeiten und freibleibendes Angebot die digitale Zwangsbeglückung zu prognostizieren (Zuckerberg) und im Falle der ausbleibenden Würdigung Drohgebärden zu inszenieren (Negroponte) hat schon immer Kritiker auf den Plan gerufen (Weizenbaum).

    Verständlich, dass die teilweise Zurückbeorderung in die reale Welt mit der Einstufung des Web als schlichtes Medium einigen schwerfällt, knüpfen sie an die Bedeutungs-Potenzierung doch einen beträchtlichen Teil ihrer Existenz. Auch die ständige Verlautbarung, man habe 2.0 eben immer noch nicht verstanden, hilft wenig: die nachfolgende Generation nutzt das Web heute als simples Werkzeug und käme kaum darauf, für die Verbreitung der Idee der Waschmaschine etwa gar eine Partei zu gründen.

    Der Mythos 2.0 war daher in der Tat eine flüchtige Episode.

    Und das ist gut so: Das 19. Jhd neigt sich definitiv dem Ende zu. Der Glaube, Mensch und Gesellschaft könne durch technische Errungenschaften transformiert und reformiert werden sind Vorstellungen einer Vergangenheit. Die sog. Netzgemeinde wähnen sich an der Speerspitze eines neuen Zeitalters ohne zu reflektieren, dass ihre Grundannahme in die Frühzeit der Industriealisierung stehengeblieben sind (und allenfalls für Schwellenländer noch Gültigkeit besitzt). Rauchende Schlote als Symbol von Fortschritt und Wohlergehen durch Netzgeschwindigkeit ersetzen zu wollen reicht nicht, trägt nicht und kann keine Gestaltungsgrundlage einer enkeltaugliche Zukunft sein.

    Daher: Willkommen in der Realität des 21. Jdh. und der Notwendigkeit, Zukunft grundlegend Anders zu denken.

  4. Phu 1. Februar 2012 at 16:49 #

    Liebe Frau Wöhrl,

    Sie sprechen von zwei Parallelwelten. Was Sie meinen dürften sind zwei parallel Welten; oder eine Welt mit ihrer (einen) Parallelwelt.
    Zwei Parallelwelten hieße doch, daß es eine dritte gäbe, zu denen beide parallel wären. Oder nicht?

    Und was nun die Bennenung dieser beiden Welten angeht, die handhaben sie so, wie fast alle Menschen – hier wie dort, also: virtuell und nicht-virtuell – und wie ich meine so nicht korrekt. Die digitale Welt ist nicht weniger real oder zumindest nicht irreal und darum nicht das Gegenstück zur „realen“ Welt, sondern ein Teil von dieser.
    Wie wäre es stattdessen mit dem Begriffspaar virtuell uind nicht-virtuell?

    Zum Text sei gesagt: Danke dafür. Sie weisen in die richtige Richtung.

    Und das Bekenntnis zu iPhone und iPad ist schon in Ordnung, jeder muß schließlich mal irgendwo anfangen 😉

  5. Not availible 1. Februar 2012 at 13:30 #

    WOW! Als ich den „Beitrag“ von Herrn Heveling gelesen habe begann mein Blut zu kochen. Nach Ihrem Blog geht es mir hingegen wieder besser 😉
    Auf einer solchen Grundlage ließen sich tatsächlich VERHANDLUNGEN führen. Mit Ergebnissen die BEIDE Seiten zufriedenstellen würden.
    Jedoch werden viel zu oft Angelegenheiten heimlich hinter verschlossenen Türen entschieden (ACTA?) die nicht zu akzeptieren sind und (Gottseidank) später wieder einkassiert werden müssen (Vorratsdatenspeicherung). Um dann, etwas umgeschrieben, erneut zu implementieren versucht werden. DAHER das Misstrauen! DESWEGEN die Verschwörungstheorien! Weil viel zu oft über unseren Kopf hinweg und gegen unserern (offenkundigen) Willen entschieden und unsere Freiheit und Rechte beschnitten wird/werden.

    Und jedesmal steigt die Angst was wohl als nächstes kommt und wo das noch hinführen soll. Eine kleine Aussicht bekommt man wenn man über den großen Teich blickt.
    Und grade wegen dieser Angst, wegen diesem Misstrauen, unserer Verständnis- und Hilflosigkeit klammern wir uns so sehr an das Internet. Denn es ist (wie uns Ägypten etc. eindrucksvoll bewiesen hat) eine mächtige Waffe. Sie bedeutet Freiheit, Kommunikation und freie Information. Und diese wollen und WERDEN wir uns nicht nehmen lassen! Nicht solange ALLE unsere Rechte (auch im Netz!), unsere Freiheit und das Vertrauen in die Demokratie und in die von uns gewählten Vertreter RESTLOS wieder hergestellt worden sind.

    Aber wie ich sehe arbeiten Sie daran 🙂
    Gäbe es mehr Politiker Ihrer Sorte und weniger der von Herrn Heveling, wäre mir Ihre Partei vermutlich auch nicht so zuwider.
    Aber wie heißt es so schön? Das Internet merkt sich alles. Und während Leute wie (u.a.) Herr Schäuble oder eben jener Herr Heveling sich in kürzester Zeit untragbar machen, so wird das Netz SIE als „eine der scheinbar vernünftigen“ in guter Erinnerung behalten.

    Ich wünsche Ihnen aufrichtig alles Gute für ihre politische Zuknuft.
    PS: Sagen Sie Bescheid wenn Sie mal die Partei wechseln – oder Parteilos werden. Dann haben sie zumindest schon eine Stimme in der Urne 😉

  6. weisshaupt 1. Februar 2012 at 12:50 #

    …eine zensur findet nicht statt…
    herzlichen gruss an ihre wortllos löschenden admins!
    CD/SU wie immer

    • TBartels 1. Februar 2012 at 14:11 #

      @weisshaupt
      Ihr Kommentar wurde gelöscht. Grund hierfür ist der unangemessene Inhalt.
      Frau Wöhrl behält sich vor Beiträge mit Anfeindungen, Beleidigungen, Beschuldigungen oder allgemein unpassender Ausdrucksweise und Tonfall zu löschen. Im Hinblick auf eine kultivierte Diskussion und zivilisierten Austausch bitten wir Sie Ihre Wortwahl und Argumentation zu überdenken.
      Bitte haben Sie Verständnis, dass aufgrund der begrenzten zeitlichen Kapazitäten im Team Wöhrl nicht weiter auf Details eingegangen werden kann.
      Vielen Dank
      Mit freundlichen Grüßen
      Admin http://www.dagmar-woehrl.de

  7. Rolf Eustergerling 1. Februar 2012 at 12:22 #

    Donnerwetter. Ich bin 54. Dass ich das aus Reihen der CSU noch mal lesen darf – passen Sie auf sich auf. Menschen wie Sie haben in Ihrer Partei erfahrungsgemäß eine schwere Zukunft.

  8. Hans 1. Februar 2012 at 10:49 #

    Man könnte mich wahrscheinlich als „Digital Nativ“ bezeichnen. Ich habe als Kind die Anfänge des Internets und später die gesamte Entwicklung des Internets aktiv miterlebt und wahrscheinlich hab ich zum Thema „Netzpolitik“ (wobei mir dieser Begriff noch nie gefallen hat, da er schon immer eingefärbt war und das Internet meiner Meinung nie als eigener Teilbereich des Leben verstanden werden sollte) noch nie so einen guten Beitrag gelesen.

    Um „Netzpolitik“ zu verstehen sollte man die Anfänge des Internets betrachten, sowie die des CCC.
    Zu Beginn war das Internet sehr überschaubar. Das erste was ich getan habe war mir eine E-Mail zu registrieren, aber ehrlich gesagt konnte ich Anfangs wenig damit anfangen, es gab kaum jemanden, dem ich eine schicken konnte.
    Aber schon sehr bald eröffneten einem die Vorteile des Internets. Hat man den Einstieg gefunden (früher gab es kein Google und der Einstieg war nicht immer einfach), eröffnete sich einem schnell eine neue Welt, in der man sich über Themen unterhalten konnte, mit Menschen die man sonst nie getroffen hätte. Man ist an Wissen gekommen, vor allem rund um Technik, die wahrscheinlich in keinem Buch zu finden war. Man war unter sich und hat selbst bestimmt, wie sich das Internet entwickelt.
    Viele sahen sich auch auf einmal großen Firmen überlegen. Man hatte Wissen und konnte Dinge tun, die man sich zuvor nicht mal erdacht hätte. Zu dieser Zeit entstanden auch schon die ersten Feindbilder, die sich bis heute hin halten.
    Zudem hat sich diese Kultur eher im linken Milieu entwickelt.

    Von diesen Anfängen lebt die Anschauung, wie heute das Internet aussehen soll noch immer. Für viele ist das Internet ein Traum von Freiheit, wie es sich sonst nicht erfüllt hat. Information muss frei sein, ungeachtet vom Wert dieser Information und wie diese genutzt wird. Der Kommunismus ist gescheitert, hier hat man aber etwas, was so weit läuft. Manche wollen dieses System gar auf die „reale Welt“ übertragen.

    Mit der zunehmenden Benutzerzahlen wird das Internet aber auch immer mehr für Kriminalität verwendet. Neben Betrug kann man im Internet fast alles „bestellen“. Angefangen von Drogen bis hin zu gefälschten Dokumenten und die Exekutive sieht sich dem nicht mehr gewachsen. Nüchtern betrachtet haben sie auch kaum Möglichkeiten dies mit den jetzigen Mitteln zu bekämpfen.
    Also muss sich jetzt auch die Politik mit dem Internet beschäftigen und es prallen zwei Welten aufeinander.
    Die einen, die Internet nur von hören sagen kennen und die anderen, die sich ihre freie Welt erschaffen haben und ein festes Weltbild aufgebaut haben.

    Es ist verständlich, dass hier ein großer Konfliktpunkt entsteht und die Politik hat nie die Ausmaße des Internets begriffen. Solche Provokationen wie eben geschehen sind einfach nur dumm.

    Es muss sich ausgetauscht werden, und zwar ohne Feindbilder und ohne den anderen zu beleidigen und diffamieren. Politiker müssen sich mit neuen Entwicklungen auseinandersetzen und Netzaktivisten sich eine gesunde Streitkultur. Und es ist keine gesunde Streitkultur, sich als einziger Wissender anzusehen und als alle anderen als Dummen. Beleidigung gehört ebenfalls nicht dazu.
    Letztendlich müssen alle von ihrem hohen Ross herabsteigen.
    Denn auch solche Aussagen sind Unsinn:

    „Erst durch das Internet wurde das richtig sichtbar. Wenn ich nach fünf minütiger suche eine Aussage mit Fakten widerlegen kann, dann spricht das nicht für den Politiker.“

    Ich behaupte einmal, das geht mit allen Aussagen, sei sie noch so falsch. Das ist ebenfalls eine Diskussionskultur, wie man sie immer wieder sehr und ins absurde getrieben wird. Es diskutieren zwei Parteien und belagern sich mit „Fakten“ aus dem Internet. Wer letztendlich recht hat, kann dadurch nicht entschieden werden. Ist einer dieser Parteien unter sich, so wird diese nur aufgestachelt, klüger ist sie deshalb aber noch nicht geworden. Am Ende zählt das im Internet, was häufiger wiederholt wird, nicht aber was richtig ist.

    Von Netzaktivisten müssen auch einmal einsehen, dass es auch andere Betrachterwinkel gibt. Die Mehrzahl der Internetnutzer interessieren sich nicht für die Themen oder ihnen sind andere Dinge wichtig. Es ist ja richtig für seine Ansichten sich einzusetzen, aber das ist nicht das einzige was in der Politik betrachtet werden kann. Beleidigungen, Diffamierungen und sich als einziger Wissender hinzustellen ist jedenfalls kein guter Weg.

    Das Internet alleine kann auch kein Grund sein, diese Regeln dem „echten Leben“ überzustülpen. Ich sehe keinen Grund den Schutz von geistigen Eigentum (und sicherlich wird sich hier auch jemand finden, der mir erklärt das es das gar nicht gibt) nicht mehr zu ermöglichen. Genau so funktioniert das Urheberrecht im großen und ganzen auch mit dem Internet, ohne das jemand beschränkt ist. Auch sehe ich es nicht gerade sinnvoll hierarchische Strukturen vollkommen abzuschaffen.
    Es steht auch jedem frei Open Source zu verwenden oder Lizenzen wie die Creative Commons. Man sollte aber nicht alle anderen dazu zwingen.

    Ich würde es sehr begrüßen, wenn es zu unvoreingenommenen Gesprächen ohne Beleidigungen kommen würde. Und dabei muss auch immer beachtet werden, dass es auch andere Standpunkte gibt und einer alleine nie der einzig richtige ist.

    Zuletzt möchte ich aber noch erwähnen, dass das Internet noch nie so frei und offen war wie heute. Lange Zeit war es nur einer selbsternannten Elite offen, erst die letzten Jahre hat das Internet eine rasante Entwicklung gemacht und ist erst durch die heutige Software jedermann offen.
    Ich bin gespannt, ob in 10-20 Jahren noch von dem Internet gesprochen wird, oder ob es nur noch eine Infrastruktur ist, dessen Begriff von Anwendungen und Plattformen ersetzt wurde.

  9. cyberfux 1. Februar 2012 at 10:43 #

    Kudos Frau Wöhrl!

    Von Ihrer Sorte brauchen wir mehr – egal welches Parteibuch Sie haben!

  10. anno 1. Februar 2012 at 09:11 #

    Die Piraten geben zu, wenig über Politik, zu wissen. Das ist, mit Verlaub, besser als vorzugeben „etwas“ zu wissen und dann den Karren in den Dreck zu fahren. Aber den ethisch-moralischen Hintergrund kann man den Piraten nicht absprechen. Das macht sie sehr sympathisch.
    Die digitale Technik wird unser Leben in Zukunft bestimmen, wie es jetzt schon geschieht. Was die Piraten dabei nicht vergessen haben, ist die Nachteilige Entwicklung für den Menschen, die daraus resultiert. Die positive Entwicklung kann uns nicht erschrecken, aber die Negative ganz erheblich. Professor Joseph Weizenbaum hat bereits in den 60ern vor dieser Entwicklung gewarnt. Diese Angst vor der Technik steckt latent in allen Menschen. Daher ist ein Konsens beider Seiten unabdingbar. Diesbezüglich gebe ich Ihnen Recht, mit Ihrer Aussage, dass Brücken gebaut werden müssen. Was mich dabei stört ist, dass dies bis heute stark durch die Politik vernachlässigt wurde, respektive ein Widerstand gegen die Netzgemeinde besteht. Wir sollten nicht vergessen, dass diese Gemeinde, im Schutze ihrer Anonymität, lautstark ausspricht, was viele „reale Menschen“ nur denken. Diese Menschen haben diese Plattform nicht.
    Einerseits ist es schön Ägypten als Beispiel zu nennen, aber mehr als ein Profilierungsversuch, mit gleichzeitiger Imageverbesserung, bezüglich Herrn Heveling, kann ich nicht erkennen. Den Worten müssen Taten folgen. Was fehlt ist Courage und Mut neue Wege zu gehen, statt den alten, ausgetretenen, einfachen Weg.
    -Wer überzählige Kommas findet, kann Sie behalten-

  11. markw 1. Februar 2012 at 08:53 #

    Ich hätte nie gedacht dass ich einmal auf ihrem Blog einen Kommentar schreiben würde, sehr geehrte Frau Wöhrl, aber dass es jetzt tatsächlich dazu gekommen ist freut micht ausserordentlich.

    Die Gründe warum ich hier schreibe sind vielfältig. Zum einen fand ich es einfach nett diesen persönlichen Eintrag zu lesen, der gleichzeitig interessante Einblicke gibt wie denn jemand der eben nicht dem stereotypen Nutzerprofil entspricht das Internet für sich entdeckt. Zum anderen können wir alle, Bürger und Politiker, Onlinegemeinde und Offliner, nur gewinnen wenn mehr Politiker den Weg in’s Netz finden.

    Die Vorteile sind Ihnen mittlerweile sicher schon klar geworden, und Sie sprechen ja auch einige in Ihrem Eintrag an. Natürlich geht es hier um Kommunikation, von Bürger zu Politiker, aber auch in die andere Richtung, in der einzelne Abgeordnete Vorschläge und Kritiken direkt aufgreifen können und ihre Sichtweise, die ja die Grundlage ihrer Entscheidungsfindung ist, dem Bürger darlegen.

    Die Frage die sich jetzt stellt ist die, wie man Ihre Kollegen an diese, mittlerweile ja nicht mehr ganz so neue, Technik heran führen könnte. Vielleicht haben Sie sich darüber ja schon selbst Gedanken gemacht; schliesslich kennen Sie Ihre Kollegen und da Sie diesen Schritt selbst erst kürzlich gegangen sind kommt Ihnen sicher eine Brückenfunktion zu.
    Vielleicht währe es hilfreich ausgewählte Werkzeuge ersteinmal in geschlossenen Nutzergruppen einzuführen, etwa ein Twitter für Bundestagsabgeordnete, um zum einen die Informationsflut einzuschränken und zum anderen eventuell bestehenden Ängsten entgegen zu wirken, die ersten Schritte unter den Augen der Öffentlichkeit gehen zu müssen.
    Am Ende sollte aber natürlich immer das Ziel der direkten Kommunikation stehen. Schliesslich war „Bürgernähe“ noch nie ein räumlicher Begriff.

  12. Herbert Schmidt 1. Februar 2012 at 07:57 #

    Sehr geehrte Frau Wöhrl,

    finde Ihren Artikel sehr gut und äußerst informativ. Ihr Kollege Ansgar Heveling beschrieb im Handesblatt vom 31.1.2012 eine ganz andere Seite des Internets und postulierte „Liebe Netzgemeinde, das Web 2.0. ist bald Geschichte. Die Revolution geht vorbei, die Frage ist nur, wie groß die Schäden sind.“ Der komplette Artikel ist zu sehen im Kommentarbereioch meines Artikels „Gedanken zu unserer digitalen Zukunft“ http://seniorenforum-wuerzburg.de/?p=10359

    Derartig divergierende Beiträge (von Ihnen und Ansgar Heveling) sind das Salz in der Suppe und machen die Beobachtung und das Mitwirken an der Entwicklung so interessant.

    Viele Grüße
    sendet
    Herbert Schmidt

  13. Isabelle Sandow 1. Februar 2012 at 07:20 #

    Zur Piratenpartei:

    Auch wenn ihnen das geseiere über diese vielleicht schon den letzten Nerv raubt möchte ich trotzdem hier noch einmal etwas richtig stellen. Die Piratenpartei hat keiner erfolgreichen Zukunftsprognose gefolgt die den Erfolg des Internets vorraus gesagt hat. Die Piratenpartei ist die Antwort der Bürger auf die Frage, wie man als Mensch seine Menschlichkeit überwinden kann um Machtmisbrauch zu stoppen und am ende nicht selbst zum Hüter der Hackordnung zu werden, wenn man es in die Politik geschafft hat. Dies ist ein Problem der Menschheit seit eh und jeh. Stets gibt es Menschen die Machtstrukturen aufbauen und Menschen die darunter leiden. Dies wird gefolgt von Revolutionen, nach denen die ersten dann wieder ihre Machtstrukturen etablieren. Dazu muss man kein Verschwörungstheoretiker sein, es reicht wenn man die Geschichte kennt.

    Das Internet bietet aber mit eben seiner geistigen Freiheit, die sie auch in ihrem Artikel aufgeführt haben, die Möglichkeit nachhaltig derartige Machtstrukturen zu brechen und aufzulösen. Dafür steht die Piratenpartei und darum wird sie in dem Moment überflüssig, wo dieses Prinzip der freien Politik sich im gesamten Land etabliert hat.

    Was ich damit sagen will, die Piratenpartei ist nicht (nur) die politische Speerspitze der Netzgemeinde, welche marketingtechnisch einen volltreffer gelandet hat, sondern eine Freiheitsbewegung der Menschheit, die es im übrigen in sehr viel mehr ländern als nur in deutschland gibt. Wenn sie mehr dazu wissen wollen suchen sie bei den Piraten einmal nach den sogenannten Kernthemen.

    Vielen Dank für Auge und Hirn

  14. nikita 1. Februar 2012 at 03:50 #

    Hmm…
    da verliere ich ja fast schon meinen angeborenen und eigentlich nie hinterfragten CDU/CSU-Beißreflex ;o)

    Zum Glück gibt’s ja noch einige sehr prominente „Feindbilder“ in Ihrer Union^^

    Tolle Einstellung, toller Artikel.

    Vielen Dank für diesen Lichtblick Fr. Wöhrl.

  15. O.Türk 1. Februar 2012 at 01:32 #

    „wer in der demokratie schläft wacht in der diktatur auf“

  16. Dirk Schulze 31. Januar 2012 at 23:18 #

    Gratulation zu diesem bemerkenswerten Statement.
    Das lässt sogar ein Nordlicht aufhorchen und wünschen, Ihre persönliche Meinung zu weiteren kritischen Themen zu erfahren.
    Die durchweg positive Resonanz wird Sie hoffentlich ermuntern.

  17. Zafolo 31. Januar 2012 at 22:55 #

    Ich bin ehrlich erstaunt und gerührt, dass eine derartige durchdachte Stellungnahme aus den Kreisen der CSU möglich ist.

    Zu zwei Dingen möchte ich Stellung nehmen. Das eine ist das Mißtrauen der Netzgemeinde und der jungen Generation gegenüber der Politik und dem Staat. Das hat sicherlich eine Reihe von Gründen. Aber zu den ganz wesentlichen Gründen zählt, dass Staaten generell hierarchisch organisierte Machtstrukturen sind. Und ganz wesentlich an Hierarchien ist, dass sie Informationsflüsse und damit Entscheidungsmöglichkeiten in einer ganz charakteristischen Weise einschränken. Als ein Beispiel, das mir spontan in den Sinn kommt, nenne ich mal die Reaktorkatastrophe in Fukushima.

    Das Internet verwirklicht nun eine ganz andere Struktur von Informationsflüssen, die erheblich dezentraler und weniger kontrolliert ist. Das wird auf die Gesellschaft mindestens genau so umfassende Auswirkungen haben wie die Erfindung des Buchdrucks. Sogar noch größere, denn Bücher konnten sich lange nur eine Minderheit leisten, die Wikipedia zB steht dagegen neuerdings kostenlos afrikanischen Handynutzern zur Verfügung.

    Dieser Zuwachs an Information führt langfristig zwangsläufig zu einem Demokratisierungsprozeß, genauso wie die Alphabetisierung. Ich spreche ganz klar von einem umfassenden Demokratisierungsprozeß durch Information. Und dieser steht mit der Politik, die auf Hierarchien beruht, ganz klar in einem Spannungsverhältnis. Politik im klassischem Sinn versucht Hierarchien zu stabilisieren und das geht nur mit einer Einschränkung von Information. Es ist klar, dass das manchem Angst macht und nicht jedem paßt. Politiker haben Angst vor dem Internet, und Sie können Herrn zu Guttenberg fragen, warum.

    Sie führen, Frau Wöhrl, die gewinnorientierten Großkonzerne als Gegenpol zu den die Demokratie repräsentierenden Parteien an. Sicher sind Apple oder Microsoft keine Demokratie. Aber Sie verfehlen ganz knapp einen extrem wesentlichen Punkt: Die heutigen Parteien sind in sich selber nicht demokratisch strukturiert. Entscheidungen werden in Ihnen von oben nach unten getroffen. Das ist NICHT demokratisch. Und es entspricht nicht mehr den Notwendigkeiten und Möglichkeiten. Diesen Wandel zu leugnen und zu versuchen, das Rad der Zeit zurück zu drehen, kann man nur als reaktionär bezeichnen. Und ein beliebtes Mittel der Reaktion ist Zensur, nämlich die gewaltsame Einschränkung von Information. Um diese geht es bei der gegenwärtigen Netzpolitischen Debatte.

    Der zweite wesentliche Punkt: Der von Ihnen erwähnte Kollege positioniert sich als Streiter für Urheberrechte und Geistiges Eigentum. Ich stehe selber in dem hier entstandenem Spannungsfeld, denn ich habe als Wissenschaftler geforscht und publiziert und arbeite nun in einem mittleren Industrieunternehmen in der Softwareentwicklung und Industrieforschung. So gesehen werde ich für die Produktion von „Geistigem Eigentum“ bezahlt und lebe derzeit davon. Die Privilegierung von Kreativ Tätigen und Unternehmen, welche sie finanzieren durch „Intellectual Property Rights“, hatte in der Vergangenheit durchaus einen Sinn, wobei man aber zunächst sehen muss dass es eben ein Privileg war, kein Menschenrecht, genauso wie es kein Menschenrecht ist als einziges Unternehmen Streichhölzer herstellen zu dürfen. Es ist nichts weiter als ein Deal zwischen Gesellschaft und Kreativen.

    Gleichzeitig sehe ich aber auch überdeutlich, dass dieser „geistige“ Eigentumsbegriff in Wirklichkeit überholt ist. Es gibt kein Eigentum an menschlichen Gedanken und Ideen. Und zwar deswegen, weil Ideen und Gedanken in einem überpersönlichem, kollektivem Raum leben und entstehen. Nicht einmal Sprechen lernt ein Mensch alleine und in Isolation, geschweige denn Mathematik. Und ich erlebe sehr deutlich, dass sobald man Informationsflüsse und Ideenaustausch versucht einzuschränken, der Schaden schnell viel größer wird als der Nutzen, denn dieses Vorgehen ist extrem unproduktiv. Mein Unternehmen mag einige Ideen von mir als Patente anmelden (die aber gerade im Softwarebereich in Wirklichkeit keine Rechtssicherheit bringen), aber es hat schwer mit den Umstand zu kämpfen dass die eigenen Kunden nicht das Know How besitzen, die innovativeren Produkte sinnvoll zu nutzen. Und noch schwerer mit der Tatsache, dass in der mittleren Führungsebene großteils nicht gesehen wird, dass die unermeßliche Menge des unerschlossenen öffentlichen Wissens für das Anwendungsgebiet und den Erfolg am Markt viel relevanter ist als ängstlich gehütete punktuelle Eigenentwicklungen. Denn die Kunden bezahlen ja letztlich für Lösungen, keine Geheimnisse. Damit haben übrigens logischerweise know-how orientierte Unternehmen auch andere Interessen als die Medien- und Contentindustrie.

    Je komplexer die technische Entwicklung wird, desto nachteiliger wird es, Wissensaustausch aktiv zu beschränken. Die Firma Apple ist ein gutes Beispiel, der TCP/IP Stack im Betriebssystem iOS und MacOS X beruht auf BSD Unix, also auf Open Source. Durch die Adaption dieses öffentlichen Know Hows hat sich Apple einen riesigen Wettbewerbsvorteil verschafft während Microsoft als größter Wettbewerber immer stärker hinterher hinkt. Noch konsequenter hat Google mit Android die Nutzung öffentlichen Know Hows umgesetzt. Es steht schon jetzt fest, wer von diesen Dreien Verlierer dieses Wettrennens sein wird – es hat nur noch nicht jeder realisiert. Das Beispiel macht auch klar, dass die Nutzung öffentlichen Know Hows nicht bedeutet, auf Verdienstmöglichkeiten zu verzichten, denn allein eine funktionierende und anwendbare Integration des verfügbaren Wissens ist eine ganz beachtliche Leistung, die auch honoriert wird.

    Dazu kommt übrigens noch, dass „Intellectual Property Rights“ durchsetzbar waren im alten System, in dem wenige westliche Industriestaaten mit ihrer Gesetzgebung weltweit die Maßstäbe setzten. Diese Ordnung stirbt, zwei im Wesentlichen verlorene Kriege der USA zeugen davon. Allein durch den Aufstieg der Schwellenländer wie China und Indien mit ihrem riesigem personellem und wissenschaftlichen Potenzial wird es in ein bis zwei Jahrzehnten gar nicht mehr in unserem Interesse sein können, den Schwerpunkt auf Geheimhaltung und Beschränkung von Informationsaustausch zu legen. Europa ist schon jetzt nicht mehr der Nabel der Welt und wird bald in einer ähnlichen Position sein wie Japan in den Siebzigern. Wir werden letztendlich unser Heil darin suchen müssen, bestmöglich vom weltweiten Wissenszuwachs zu profitieren, sonst werden die europäischen Unternehmen den Kürzeren ziehen und den Anschluss verpassen. Die Entwicklung in der Solar- und zunehmend auch in der Windenergie sind gute Beispiele dafür. Womöglich werden wir erleben, dass die Energiewende in Europa erdacht, jedoch in China umgesetzt wird und andere das Geschäft machen.

    Um es zusammenzufassen und damit auf den Ausgangspunkt zurückzukommen: Wir erleben in der Tat eine Transformation in eine dicht vernetzte Informations- und Wissensgesellschaft. Menschen und auch Bürger haben einen nie dagewesenen Zugang zu für sie relevanten Informationen. Dieser Wandel hat tiefgreifende Auswirkungen auf politische und ökonomische Strukturen, er wird sich auch durch Zensur nicht aufhalten lassen. Und die Versuche gewisser Interessengruppen, Informationsflüsse zu beschränken, werden auch als Zensur erkannt.

    Und schließlich, diesen Wandel zurück zu drehen oder für irrelevant erklären zu wollen, kommt, wie es ein Kommentator so schön formuliert hat, dem gleich, sich entschlossen hinter den Zug zu werfen.

    Z.

  18. Jan Dark 31. Januar 2012 at 18:17 #

    „Genauso, wie Eltern ihren Kindern Freiheit gewähren müssen, muss das auch die Regierung mit den Bürgen tun.“

    Hallo? In Deutschland ist es so, dass die Bürger sich ihre Regierung auswählen und nicht die Bürger von ihrer Regierung geduldet werden. Wenn die Regierung den Bürgern Freiheit nehmen will, wird sie abgewählt. 8% Piraten in Berlin ist eine klare Sprache, Alleinvertretungsverlust für die CSU ist eine klare Sprache.

    Wenn Herr Heveling einseitig die Partikularinteressen der Contentmafia gegen die Bürger durchprügeln will mit martialischen Worten, dann schadet er massiv der Union. Das hat Frau Wöhrl völlig klar erkannt. Heveling will die Union rücksichtslos auf FDP-Niveau bringen.

  19. KurzeWege 31. Januar 2012 at 18:02 #

    Das ist ein sehr schöner Text der viel Wahres enthält. Es müssten viel mehr Menschen so denken, wie Sie.

    Sie fragen sich, warum so viel Misstrauen gegen die Regierung und den Staat herrscht. Und warum Unternehmen weit mehr vertraut wird. Ich versuche das einmal aus meiner Sicht zu beantworten.

    In letzter Zeit ist so viel mit dem Argument „Terror“ erklärt worden. Die Vorratsdatenspeicherung, die am Ende vom Bundesverfassungsgericht gekippt wurde, Kennzeichen werden gescannt, in Berlin werden massenweise Verbindungsdaten von Handys abgefragt usw. Jetzt gerade laufen die Verhandlungen bezüglich ACTA. Das ganze wird so geheim gehalten, dass niemand etwas genaues weiß.

    All diese Dinge schüren die Angst und das Misstrauen. Ich möchte nicht in einer Gesellschaft leben, in der ich ständig überwacht werde. Ich habe mehr Angst davor, mich nicht mehr frei und ungezwungen bewegen zu können, als vor einem Terroranschlag.

    Wenn wir uns selbst so viele Beschränkungen auferlegen, hat der Terrorismus bereits gewonnen. Dann hat er die Demokratie und die Freiheit schon zerstört.

    Ich möchte mich von meiner Regierung beschützt aber nicht eingeengt fühlen. Ich möchte nicht, dass meine Grundrecht aufgrund eines Übertriebenen Sicherheitsbedürfnisses heraus eingeschränkt werden.

    Genauso, wie Eltern ihren Kindern Freiheit gewähren müssen, muss das auch die Regierung mit den Bürgen tun.

    Ich vertraue Unternehmen auch nicht blind. Nur erwarte ich von Unternehmen nicht, dass sie mich beschützen. Unternehmen sind gewinnorientiert. Ich bin mir bewusst, dass viele Unternehmen meine Daten wollen und diese auch schamlos auswerten. Bei Unternehmen kann ich aber entscheiden, was bzw. was ich ihnen gebe. In letzter Konsequenz kann das bedeuten, auf das iPhone oder den neuen Androiden zu verzichten.

    Bei meiner Regierung habe ich diese Entscheidungsfreiheit nicht. Wenn ein Gesetzt vorsieht, dass alle meine Verbindungsdaten gespeichert werden, kann ich dagegen nichts machen, außer auf Kommunikation zu verzichten. Aber das ist keine echte Option.

  20. Roger Burk 31. Januar 2012 at 17:47 #

    Bin nun wahrlich kein besonderer Freund der CSU – aber das gefällt mir.
    Danke!

  21. Jan Dark 31. Januar 2012 at 17:09 #

    Vielen Dank, dass Sie den Eindruck wieder gerade gerückt haben. Für einen Moment dachte ich gestern schon das stete Bemühen von Doro Bär und Peter Altmaier wäre in der Union völlig vergeblich.

    Aber dennoch habe ich eine Anregung: vielleicht sollten wir ganz auf Kampfbegriffe wie „Silver Ager“, „Digital Native“ usw. völlig verzichten. Ausser zum Ausgrenzen machen sie keinen Sinn.

    Vielleicht sollten wir, um die Absurdität des Diskurses uns vor Augen zu führen, den Umberto Eco bitten, uns noch einen Roman zu schreiben, in dem es am Ende des Mittelalters darum ging, den Buchdruck in die Gesellschaft zu integrieren. Wo konservative Mönche sich ihres Kopiermonopols beraubt sahen (da kann er ja am „Namen der Rose anknüpfen“), wo die gedruckte Schrift völlig neue Wirtschafts- und Kulturmöglichkeiten eröffnete, die Industrialisierung vorbereitete als Säule unseres Wohlstandes. Wo die Bürger unruhig wurden und eine allgemeine Schulpflicht einführen, wo Schreiben und Lesen allen gelehrt wurde, um runter zu kommen von den 95% der Bevölkerung, die damals in der Landwirtschaft tätig waren und viele noch wertschöpfender eingesetzt werden konnten.

    Tablet-Computer ist die schleichwerbungsfrei Bezeichnung für das Gerät Ihres Erweckungserlebnisses 🙂

    Als Clinton und Gore am Anfang der 90er (noch vor Bill Gates, der 1996 Latecomer war) das Internet massiv zu nutzen (Information Highway), war ich in D schon 5 Jahre dabei. Damals ärgerten wir uns (auch in Erlangen) über die störrischen Beamten im BMFT, die Internet Scheisse fanden, genauso wie Sie jetzt über den Parteikollegen. Egal, halten Sie drauf! Wir werden noch viel mehr damit machen.

    Der Orden wider den tierischen Ernst ging (gestern) auch wieder nach Bayern. Geht doch.

    Also, nochmals vielen Dank, für die Wörter, die Sie zu Papier gebracht haben 🙂

  22. Helge 31. Januar 2012 at 16:34 #

    Vielen Dank, Frau Wöhrl! Ihre (Schwester-)Partei werde ich zwar trotzdem vermutlich nie wählen, aber bei Ihnen könnte ich mir das zumindest vorstellen nach dem was ich eben gelesen habe. Vielleicht verschlägt es mich im Leben ja nochmal nach Nürnberg, wer weiß das schon. 🙂 Schöne Grüße von der Bergstraße

  23. Siegfried Brzoska 31. Januar 2012 at 16:25 #

    Sehr geehrte Frau Wöhrl,

    ich finde Ihren Artikel mutmachend und habe mich über die motivierende Grundhaltung zur „kultivierten“ Netznutzung sehr gefreut.

    Mit freundlichem Gruß aus dem Ruhrgebiet
    Siegfried Brzoska

  24. nochniebeieinempolitikerkommentiert 31. Januar 2012 at 16:12 #

    klasse!
    eine wirklich entspannte antwort zu einem heiß diskutierten thread.
    wenn alle vertreter der politiker-kaste so reden und schreiben würden, könnten wir vielleicht tatsächlich zur demokratie zurückkehren.
    obwohl der rest der posts auf diesem blog mehr oder minder belangloses pressemitteilungs-spaming ist, hoffe ich dass frau wöhrl nun aufgewacht ist und verstanden hat.
    respekt!

    ist das echt csu hier?
    wtf?

  25. Sanníe 31. Januar 2012 at 16:01 #

    Ich sehe, Doro Bär leistet ganze Arbeit.
    Respekt, Frau Wöhrl!

  26. Chicco 31. Januar 2012 at 15:15 #

    Hallo Frau Wöhrl!

    absolute Zustimmung und großen Respekt für diesen Text!

    Auf einer solchen Basis ist eine Diskussion möglich, man fühlt sich als Bürger respektvoll behandelt und durch die gewählten Politiker auch vertreten.

    Wären doch nur einige Ihrer Kollegen mit ähnlichem Verstand und Feingefühl gesegnet!

    mit freundlichen Grüßen aus Nürnberg
    Chicco

    PS: völlig anderes Thema: Bitte legen Sie ein gutes Wort ein, dass die Münchner den Dürer rausrücken, diese Raffgeier!

  27. Alex 31. Januar 2012 at 14:33 #

    Sehr geehrte Frau Wöhrl,

    ein sehr schöner Text – er lässt mich hoffen.
    Man könnte fast meinen Sie sind in der falschen Partei. 😉

    Misstrauen gegenüber Politikern bekommt man als Bürger ganz einfach – z.B. wenn man sieht, dass Gesetze ohne demokratische Grundlage und Sinn und Verstand durchgewunken werden. Ich nenne hier aktuell ACTA. Ich weiss es ist kein Gesetz aber eine art Richtlinie und sollte ACTA von der Regierung bald ratifiziert werden, wird es auch unsere Gesetze zum Nachteil aller beeinflussen und die Industrie mit Instrumenten ausrüsten um selbst die deutsche Gesetzgebung zu umgehen. Das macht mir sehr große Angst und mit jeder solcher Aktionen werden sie noch mehr Vertrauen einbüssen. Ich würde mir wünschen die Regierung wäre hier auf der Seite der Bürger anstatt auf der Seite der Industrie. Noch haben Sie ihre Chance es zu ändern und Abgeordnete aufzuklären um was es wirklich bei ACTA geht.
    Misstrauen bekommt man übrigens auch, wenn Gesetzen zugestimmt wird und man erfährt das die Abgeordneten die Gesetze weder verstanden noch deren Inhalt kennen. Wir brauchen intelligente, zeitnahe Lösungen und keine holen Worte. Die Bürger laufen ihnen davon und haben sie teilweise schon überholt und die Schilder die sie aufstellen sind längst irrelevant und/oder nicht zeitgemäß.

    Seihen sie mutig und hauen Sie ruhig öfter mal auf den Tisch wie in Ihrem obigen Blog-Beitrag!

    Viel Glück!
    Alex

  28. Michael 31. Januar 2012 at 13:50 #

    Sehr schöner Artikel,
    es ist schön zu sehen, dass es auch einige Politiker gibt, die wirklich versuchen sich auf eine vernünftige Art und Weise mit dem Netz auseinander zu setzen. Vor allem, dass man solche auch in der doch eher konservativen CSU finden kann.

    Sicher sind auch manche Reaktionen aus dem Netz übertrieben, jedoch kann ich jegliche Empörung verstehen. Man kommt als Bürger im Fall Heveling schlichtweg nicht um die Frage herum, warum ein Politiker, der das Netz weder Begriffen hat, noch sich Mühe zu geben scheint, dies zu tun, in einer Enquête-Kommission Internet und Digitale Gesellschaft sitz und wie er in der Projektgruppe Urheberrecht jene veralteten Gesetze einem digitalen Gesetzesraum anpassen will. Was nützt uns denn die repräsentative Demokratie in fragen der digitalen Gesellschaft, wenn letzten Endes doch keine Fachleute in solchen Gremien sitzen, sonder eher auf diesem Gebiet unterdurchschnittlich gebildete Pseudoexperten.
    Und leider bleibt Herr Heveling in dieser Ecke ja nicht allein, wenn man sich anhört, wie ein Herr Dr. Uhl, Dr. Friedrich oder Dr. Schäuble über die Netzgemeinde und das internet sprechen; und leider kommen eben die meisten dieser Fauxpas aus den Reihen der CSU/CDU. Zumal ich persönlich außer einigen Äußerungen von Herr Dr. de Maizière und ihrem Text hier noch nicht viel sinnvolles zu digitalen Themen gehört habe.
    Sicher müssen Themen wie Wirtschaft und Finanzwesen Vorrang haben, vor allem in Zeiten wie diesen, jedoch darf ein vernünftiger Umgang mit der Digitalisierung nicht fehlen. Man muss nur nach Amerika schauen, was dort an Arbeitsplätzen durch junge Startups entsteht um dies zu begreifen.
    Wir dürfen hier keine Angst vor dem Netz haben oder noch schlimmer diese Angst schüren, wie es Herr Heveling versucht.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Michael

  29. peter 31. Januar 2012 at 13:46 #

    sehr guter Text!!
    Wir brauchen wieder eine von Fairness und vor allem Kompetenz geprägte Diskussions- und Streitkultur. Nur so kann wieder Vertrauen in politisches Handeln aufgebaut und der Politikverdrossenheit entgegengewirkt werden. Weiter so!

  30. Stefan Holzhauer 31. Januar 2012 at 13:40 #

    Ich kann mich meinem Vorredner Vir Cotto nur ausdrücklich anschließen. Sehr schöner und unaufgeregter Artikel, den ich von einem CSU-Mitglied so nun wirklich nicht erwartet hätte. Chapeau.

  31. Vircotto 31. Januar 2012 at 13:18 #

    Danke für diesen Text.
    Auf dieser Basis kann man dann auch anständige Diskussionen führen, wenn man unterschiedlicher Meinung ist.

  32. boelwerkr 31. Januar 2012 at 12:05 #

    Bezüglich Misstrauen gegenüber der Politik.

    Die Politiker haben hart daran gearbeitet mein Misstrauen zu erlangen. Es weckt einfach das Misstrauen, wenn man nicht nachvollziehen kann warum jemand etwas macht, das einem selbst direkt oder indirekt schaden zufügt.
    Erst durch das Internet wurde das richtig sichtbar. Wenn ich nach fünf minütiger suche eine Aussage mit Fakten widerlegen kann, dann spricht das nicht für den Politiker. Wenn ich sehe, dass ein Politiker vor einer Woche noch die exakt gegenteilige Meinung vertrat und ich nicht sehe warum er sie wechselt, ist das nicht vertrauensbildend.
    Wenn für mich völlig unerwartet fertige Gesetzentwürfe auftauchen, dann macht mich das misstrauisch.

    Bei Unternehmen weiß ich genau das sie ihren Gewinn maximieren wollen und mich ohne Skrupel über den Tisch ziehen, wenn sie es können. Darauf kann ich mich einstellen. Ich bin vorsichtig und prüfe alles genau.

    Aber von einem Politiker erwarte ich dass er nicht das er sein Fähnchen nach dem Wind stellt seine Wähler übers Ohr haut und nur zu seinem Vorteil handelt.
    Ich weiß das es nur wenige sind, die den Ruf von vielen Zerstören, aber für mich ist es nicht ersichtlich wer „ehrlich“ ist und wer nicht.

  33. Andi2600 31. Januar 2012 at 11:49 #

    Wie man in den Wald hinein schreit, so kommt’s heraus. Er ging in seinem Artikel auf Konfrontationskurs, und hat eine dementsprechende Reaktion erhalten. Ich sehe da jetzt nichts schlimmes darin, außer dass er im Digitaliesierungs-Ausschus sitzt, aber sehr voreingenommen ist bzw. ihm Kompetenz fehlt. Genau deswegen punkten die Piraten, weil die offen sind und zugeben, dass die keine Ahnung haben bzw. Jemanden suchen der eine hat!

  34. Anna-Lena 31. Januar 2012 at 11:40 #

    Sehr geehrte Frau Wöhrl,
    wenn Sie jetzt noch „das“ Blog sagen, werde
    ein Fan. 🙂 Ein sehr schöner Aufruf für mehr Verständnis füreinander.
    Das übertriebene Misstrauen der Netzgemeinde gegenüber der Regierung ist jedoch momentan nicht zuletzt unserem Innenminister zu verdanken. Wenn (beispielhaft) auf jede „Bedrohung“ die Vorratsdatenspeicherung die Antwort ist und verfassungswidrige Trojaner von Behörden
    eingesetzt werden, ist Misstrauen zwangsläufig die Folge. Dies sind zugegebenermaßen zwei sehr plakative Beispiele. Jedoch reichen mir diese aus um die Regierungsparteien nicht wählen zu können.

    Ich hoffe jedoch sehr auf eine Öffnung und eine Auseinandersetzung wie Sie sie anregen.
    Freundliche Grüße,
    Anna-Lena

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