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Dieser Artikel stammt aus der Zeit meiner politischen Arbeit bis Oktober 2017 und kann überholte Informationen enthalten.

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Wirtschaftskraft Alter

Wirtschaftskraft Alter von Dagmar Wöhrl

Deutschland wird älter. Der demografische Wandel verändert unser Land – und das sollte nicht nur in schwarzen Farben betrachtet werden. In Deutschland haben wir ein zu negatives Bild des Alterns. Man denke nur an die Diskussionen um die Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung. Hingegen muss auch deutlich gezeigt werden, dass Alter Aktivität bedeutet. Alt werden bei guter Gesundheit ist nicht nur für den einzelnen Menschen ein Gewinn; auch Gesellschaft und Wirtscha ft profitieren, wenn sie in wachsendem Maße auf die Potenziale älterer Menschen zurückgreifen.

Ältere Menschen sind nicht nur eine große produktive Kraft, die in den Unternehmen stärker eingebunden werden muss. Sie sind auch eine enorme konsumtive Kraft. Eine Studie im Auftrag der Bundesregierung hat gezeigt: Aufgrund des demografischen
Wandels werden im Jahr 2035 die über 50-Jährigen 58% der gesamten Konsumausgaben tätigen und innerhalb dieser Gruppe haben die über 65-Jährigen ein besonders hohe Wachstumspotenzial. Ältere Menschen sind die Zielgruppe der Zukunft. Im demografischen Wandel liegen große Chancen. Produkte und Dienstleistungen für ältere Menschen stellen international eine hochdynamische Wachstumsbranche dar. Da Deutschlands Bevölkerung schneller altert als andere, können wir den Zeitvorsprung zu einem Erfahrungsvorsprung ausbauen. Denn die Volkswirtschaften, die sich rechtzeitig auf die Marktveränderungen durch den demografischen Wandel einstellen, werden weltweit einen Wettbewerbsvorteil erlangen.

Bislang findet jedoch die ältere Generation mit ihren spezifischen Bedürfnissen oftmals kein entsprechendes Angebot. Nötig sind beispielsweise mehr Produkte, die gut lesbar und einfach zu handhaben sind. Zu vielen technologischen Innovationen haben vor allem Senioren nicht immer Zugang. Ein Handy mit kleinem Display und winzigen Tasten beispielsweise ist für viele eine Zumutung. Dabei geht es nicht so sehr darum, Produkte anzubieten, die nur für ältere Menschen gemacht sind. Ein Siegel „altersgerecht“ würde doch nur stigmatisieren. Es geht vielmehr darum, dass Produkte möglichst universell für verschiedene Altersgruppen verwendbar sind. Nur ein ganz einfaches Beispiel: Niedrige Ladekanten bei Autos helfen sowohl jungen Müttern mit sperrigen Kinderwagen und dem Großeinkauf wie auch Älteren, die nicht mehr gut heben können.

Doch nicht immer ist es so einfach, dass passende Produkt herzustellen, welches den individuellen Bedürfnissen und Anforderungen entspricht. Man muss immer bedenken: Ältere Menschen sind erfahrene Konsumenten mit besonderen Ansprüchen an Qualität, praktische Handhabung, Komfort, Service und Beratung. Gerade kleine und mittlere Unternehmen haben oft nicht die Ressourcen um entsprechende Marktanalysen durchzuführen. Mit der Initiative „Wirtschaftsfaktor Alter“ haben wir in der Bundesregierung eine Maßnahme beschlossen, die insbesondere kleine und mittlere Unternehmen bei der Anpassung an den demografischen Wandel unterstützen soll. Sie werden zum Beispiel beim Angebot von entsprechenden Produkten und Dienstleistungen beraten. Unser Ziel ist es die Lebensqualität, Selbstständigkeit und Teilhabe älterer Menschen zu erhöhen und dabei gleichzeitig Wirtschaftswachstum zu beschleunigen und Arbeitsplätze zu schaffen. Wir müssen Impulse geben für die Entwicklung von innovativen Produkten und Dienstleistungen für alle Generationen. Denn es langt nicht, die Prozesse der demografischen Entwicklung nur wahrzunehmen – wir müssen sie auch gestalten.

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