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Dieser Artikel stammt aus der Zeit meiner politischen Arbeit bis Oktober 2017 und kann überholte Informationen enthalten.

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Bücher sind und bleiben ein Kulturgut – auch im digitalen Zeitalter

Die Welt ist ein Buch. Wer nicht reist, sieht nur eine Seite davon.

Augustinus Aurelius

ebook (e-book)

Die Digitalisierung hat unsere Gesellschaft in den vergangenen zehn Jahren ganz ordentlich auf den Kopf gestellt. Smart Phones, Internet und Co. revolutionieren nicht nur die Entwicklungszusammenarbeit; sie sorgen auch dafür, dass sich viele Strukturen und Abläufe in unserer Gesellschaft grundlegend verändern.
Wer hätte sich noch vor zehn Jahren die ständige Erreichbarkeit per Handy, E-Mail, SMS und über soziale Netzwerke vorstellen können?

Teil dieser Veränderungen sind auch die E-Books. Experten sagen sogar, dass insbesondere das E-Book derzeit einen wahren Durchbruch erlebt: Die Verkaufszahlen von E-Books in Deutschland explodieren derzeit nämlich geradezu. Im Jahr 2012 wurden etwa 800.000 E-Reader verkauft. Das entspricht einem Anstieg von 247% im Vergleich 2011. Der Umsatz stieg im vergangenen Jahr auf 78 Millionen Euro. Das ist ein Umsatzanstieg von mehr als 160%. Bis zum Jahr 2015 wird der Umsatz mit elektronischen Büchern voraussichtlich 6,3% des Umsatzes im Buchhandel ausmachen.

Und ja, ein handliches, kompaktes E-Book ist absolut praktisch und es ist auch für mich immer wieder erstaunlich, dass man einfach viele Bücher auf einem kleinen E-Book speichern kann. Ist die Festplatte groß genug, lässt sich darauf eine ganze Universitätsbibliothek speichern. Das ist unvorstellbar. Für unterwegs ist ein E-Book also einfach oft die beste Lösung.

Aber ich muss schon sagen, dass es ein anderes und ganz besonderes Gefühl ist, einen richtigen Schmöker in der Hand zu halten und sich die Zeit zu nehmen, einfach mal ein gutes, 400- oder 500-seitiges Buch zu lesen. Sicherlich hat jeder von uns seine Lieblings-Buchhandlung, wo er oder sie sich einfach einmal zwei Stunden in die Auswahl an Büchern zu vertiefen und Welt drum herum vergessen kann. Sei es nun der kleine, traditionelle Buchladen in der Altstadt oder sei es die hochmoderne, drei-geschossige Buchhandlung; dort werden Beratung noch groß geschrieben und dort ist das Ambiente auch einfach unvergleichlich.

Mit Büchern können wir in die Vergangenheit blicken, wir können die Gegenwart besser verstehen und vielleicht auch manchmal für ein paar kurze Stunden aus der Realität entfliehen und wir können unsere Traditionen und Werte mit Büchern in die Zukunft transportieren. Bücher sind ein grundlegender Bestandteil unserer Kultur. Mit Büchern transportieren wir Geschichte und Geschichten. Sachbücher, Fachbücher, Romane, Lexika oder die guten alten Schulbücher lassen sich nicht ohne Weiteres durch E-Books ersetzen. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie stolz ich als Studentin war, als ich mir den ersten Band des Brockhaus leisten konnte. Das war für mich etwas ganz besonderes.

E-Books und traditionellen Bücher sind beide wichtig und beide müssen wir so gut es geht fördern. Das Werk eines Autors lebt zunächst davon, dass wir es lesen – egal ob auf einem E-Reader oder auf gedruckten Seiten in einem Buch. Die Buchpreisbindung in Deutschland sorgt maßgeblich für den Erhalt unserer Buchhandelsstruktur und für die Vielfalt des Angebots. Eine Buchpreisbindung bzw. der reduzierte Mehrwertsteuersatz für E-Books stellt für uns europarechtlich eine große Herausforderung dar. Sie ist aber notwendig, denn sie sichert des Autoren, Verlegern und Buchhändlern zumindest in begrenztem Maße die Existenzgrundlage. Sie ermöglicht Vielfalt, Kreativität und den Erhalt einer Tradition: Es ist die Tradition des Buches als Kulturgut und als Überträger von Geschichte und Geschichten.

Wir sollten deshalb in den kommenden Monaten Regelungen erarbeiten, die auch zukünftig im digitalen Zeitalter für Gerechtigkeit und Fairness in der Buchbranche sorgen können. Ich persönlich setze mich seit vielen Jahren für Förderung und Unterstützung für Kultur- und Kreativschaffende ein und werde mich tatkräftig dafür einsetzen, dass wir hier gemeinsam Lösungen finden. Denn ob nun auf dem E-Book oder im traditionellen Buch: Das Werk, das wir lesen, bleibt das gleiche und dieses gilt es zu schützen. Die Arbeit der Autoren gilt es zu fördern und deshalb hoffe ich, dass wir hier in den kommenden Monaten zu einer einvernehmlichen Lösung kommen.

Zu Beginn habe ich Augstinus Aurelius zitiert, dessen Aussage nachwievor richtig ist. Ich möchte sie aber für das Zeitalter der Digitalisierung ergänzen:

„Die Welt ist ein E-Book. Wer nicht surft, sieht nur eine Seite davon.“

 

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