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Dieser Artikel stammt aus der Zeit meiner politischen Arbeit bis Oktober 2017 und kann überholte Informationen enthalten.

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Miss Germany zu sein ist ja nicht verwerflich – Die Welt, 18.09.2014

CSU-Politikerin Dagmar Wöhrl war Schönheitskönigin und sitzt seit 20 Jahren im Bundestag. Oft wird sie auf Äußerlichkeiten reduziert, doch ihre Heimatverbundenheit ist ehrlich. Ein Besuch in Nürnberg.

„Anscheinend hab ich ein einnehmendes Wesen“

, sagt die CSU-Bundestagsabgeordnete Dagmar Wöhrl am Steuer ihres Autos und legt, um das zu unterstreichen, kurz die Hand auf das Hosenbein des Reporters. Nicht sleazy. Nicht schmutzig. Nette Menschen ohne Berührungsängste machen das. Und Mütter natürlich. Mit ihrem Smart fährt sie – ganz schön laut von innen, so ein Smart — nach Nürnberg-Kraftshof, um die Biobäuerin Tanja Dworschak zu besuchen. Die hat angeblich Mücken auf ihrer Anlage, und diese Mücken wiederum, die würden die Nachbarschaft terrorisieren. Wöhrls Wahlkreis Nürnberg-Nord hat 180.738 Wahlberechtigte.

Er geht bis fast nach Erlangen. Umfasst das Knoblauchsland, die ländliche Region um Nürnberg, in der die Kräuter und Gemüse Frankens angebaut werden. Knoblauch lustigerweise nicht. Er umfasst die Altstadt Nürnbergs mit den Bezirken St. Lorenz und St. Sebald und auch den Stadtteil Gostenhofen. Gostenhofen wird auch Gostanbul genannt. 2012 lag der Ausländeranteil dort bei 41,5 Prozent. Und fast ein Fünftel hatte Migrationshintergrund. Nürnberg-Nord zählt durch die Mischung von ländlicher Urbevölkerung und hinzugekommenen Migranten zu den zehn meist umkämpften Wahlkreisen Deutschlands.

1990 betritt Wöhrl die politische Bühne. Nach dem zweiten Staatsexamen in Recht wird sie von einem Arbeitskollegen gefragt, ob sie nicht für den Stadtrat kandidieren will. Gerade hat sie die Rechtsabteilung der Firma ihres Mannes (das Bekleidungshaus Wöhrl) übernommen, Wöhrl hat einen Sohn. Vielleicht kein optimaler Zeitpunkt, um in die Politik zu gehen.

„Ich seh mich noch auf dem Sofa sitzen, ich habe gedacht, er sagt, ich sei verrückt, kurz nach dem Abschluss, mit dem Kind, mit alledem in die Politik zu gehen.“

Draußen ist Nürnberg. Nicht das schöne Kaiserburg-Handwerkerhof-Altstadt-Lebkuchen-Nürnberg, sondern das Lagerhallen-Tankstellen-Outlet-Werkstatt-Nürnberg. Der Teil, den es in jeder Stadt gibt, geben muss, den aber trotzdem keiner haben will, außer man hat einen platten Reifen oder braucht eine Hose für fünf Euro. Und drinnen zitiert Wöhrl ihren Mann, der zu ihr auf dem Sofa sagte: [/quote]„Man soll nicht nur meckern und motzen, sondern auch was tun, was zurückgeben.“ [/quote]Wöhrl wird Stadträtin von Nürnberg und wohnungspolitische Sprecherin der CSU. 1994 zieht sie das erste Mal in den Bundestag ein.

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Die Welt
18.09.2014
Von Frédéric Schwilden, Nürnberg

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