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Dieser Artikel stammt aus der Zeit meiner politischen Arbeit bis Oktober 2017 und kann überholte Informationen enthalten.

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Die Bildung viel globaler aufstellen

Dagmar Wöhrl, fränkische Unternehmergattin, engagierte Politikerin und Stifterin im Interview mit dem FRANKEN MANAGERDagmar Wöhrl, fränkische Unternehmergattin, engagierte Politikerin und Stifterin im Interview mit dem FRANKEN MANAGER

Frau Wöhrl, Sie sind seit 1994 direkt gewählte Abgeordnete des Deutschen Bundestages, Ihr Wahlkreis ist „Nürnberg Nord“. Aktuell sind Sie Vorsitzende des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Als was stellen Sie sich vor, wenn Sie im Ausland unterwegs sind? Als Bayerin, als Fränkin?

Bayern genießt nahezu auf der ganzen Welt einen sehr hohen Bekanntheitsgrad. Insofern stelle ich schon ganz gern fest, dass ich aus Bayern stamme. Obwohl ich natürlich sehr stolz auf meine fränkische Herkunft bin. Franken ist ein gesunder, starker Wirtschaftsraum, hier gedeihen Unternehmen, die weltweit einen guten Ruf genießen, aber auch im Verborgenen wachsen Firmen, die ihre Nische finden oder gefunden haben.

Franken Manager: Was ist die besondere Herausforderung Ihrer aktuellen Aufgabe?

Dagmar Wöhrl: In meinem momentanen Amt lassen sich meine beiden Hauptinteressensgebiete – die Wirtschaft und die Bildungspolitik – optimal zu einem Strang verflechten. Ein gut funktionierendes Wirtschaftssystem fußt maßgeblich auf einem erfolgreichen Bildungssystem. Das eine ohne das andere ist undenkbar.

Sehen Sie also das deutsche – das duale – Bildungssystem als Exportschlager? Obwohl die öffentliche Diskussion um diese Thematik insbesondere durch „G 8“ mit immer härteren Bandagen geführt wird?

In der Tat, das deutsche Bildungssystem ist eine Erfolgsgeschichte. Nicht umsonst informieren sich Politiker aus unterschiedlichsten Ländern hier vor Ort über das Thema Bildung und Erziehung. Man darf aber nicht außer acht lassen, dass sich Bildung immer an aktuellen und an kommenden Erfordernissen ausrichten muss. Ich nenne hier nur ein Beispiel: das Thema „soziale Medien“.

Mittlerweile wird gechattet, getwittert und immer mehr Kommunikation läuft online. Man muss junge Menschen früh auf die Herausforderungen in diesem Bereich vorbereiten. Ich denke hier an die Einführung eines Pflichtfachs „moderne Medien“, und zwar schon in der dritten, spätestens in der vierten Klasse. Gleichzeitig könnte man Kinder auch besser auf die Gefahren vorbereiten, die im Internet immer präsent sind.

Was würden Sie sonst noch am deutschen Bildungssystem ändern?

Meiner Meinung nach gehören Senioren wesentlich stärker in die tägliche Bildungsarbeit mit einbezogen. Fachliches Wissen und die hohe soziale Kompetenz von älteren Mitbürgern dürfen nicht einfach verloren gehen, nur weil der Eintritt ins Rentenalter erreicht ist. Wir können es uns eigentlich nicht leisten, auf dieses Potenzial gänzlich zu verzichten.

Wie könnte diese Einbindung aussehen?

Das muss sich natürlich an den Möglichkeiten des Einzelnen orientieren. Ehrenamtliche Tätigkeiten, in Kindergärten oder an Schulen, etwa im Rahmen von Hausaufgabenhilfen, wären denkbar.

Dagmar Wöhrl, fränkische Unternehmergattin, engagierte Politikerin und Stifterin im Interview mit dem FRANKEN MANAGERDas wird aber nichts am Mangel an qualifizierten Fachkräften ändern…

Korrekt. Andererseits gibt es – auch und gerade in der Europäischen Union – eine große Diskrepanz zwischen einzelnen Ländern. Deutschen Betrieben mangelt es an Nachwuchs, insbesondere an Jugendlichen, die sich für eine Ausbildung eignen. In den südlichen Mitgliedsländern wiederum finden wir ein großes Ausmaß an Perspektivlosigkeit, und das trotz eines soliden schulischen Unterbaus.

Hier muss aktiver zusammengearbeitet werden. Jugendarbeitslosigkeit ist – überall auf der ganzen Welt – ein Grund für soziale Unruhen. Ein in seinen Wertvorstellungen gefestigter junger Mensch, der über eine entsprechende Allgemeinbildung verfügt, wird – wenn überhaupt – wesentlich schwieriger zu fanatisieren sein, oder ideologischen Rattenfängern auf den Leim gehen.

Und trotzdem kann in Deutschland nur derjenige Fuß fassen, der auch über die erforderlichen Sprachkenntnisse verfügt.

Auch das ist absolut korrekt. Lassen Sie mich hier nur ein Beispiel erwähnen. Aus dem Etat des Ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung – der liegt im Jahr 2013 immer hin bei 6,3 Milliarden Euro – fließt ein nicht unerheblicher Betrag nach Indien. Hier soll Deutsch zur Top-Fremdsprache werden. Wir möchten erreichen, dass bis zum Jahr 2017 eine Million Inder Deutsch als Fremdsprache erlernen. Hierbei sollen die Goethe-Institute eine wichtige Säule werden, beziehungsweise das sind sie bereits. Wobei die Goethe-Institute durch das Auswärtige Amt finanziert werden.

Ein weiterer Punkt liegt mir sehr am Herzen:

Wir müssen, auch um die Integration von Migranten zu verbessern, deren Abschlüsse anerkennen. Es kann nicht sein, dass ein Wissenschaftler, der nach jahrelangem Studium in seiner Heimat hochqualifiziert ist und dort auch noch mehrere Jahre Berufspraxis gesammelt hat, hier in Deutschland Taxi fährt oder die Arbeit eines Helfers verrichtet. Wir können es uns als Gesellschaft nicht leisten, solches Wissen brachliegen zu lassen. Vor allem nicht in Anbetracht des bereits erwähnten Nachwuchsmangels auf Ebene von hochqualifizierten Fachkräften.

Ihr Job macht Ihnen Spaß?

In der Tat, ich gehe in meiner Arbeit auf. Ich habe mich meiner neuen Herausforderung gestellt, nachdem es mittlerweile Usus ist, dass die Ebene der Parlamentarischen Staatssekretäre dieselbe Parteizugehörigkeit hat wie die ministeriale. Mit meiner aktuellen Position habe ich mir einen Wunsch erfüllt. Ich bin Mitglied eines Zukunftsressorts, in das ich Leidenschaft und Begeisterung einbringe.

Und nachdem das Thema Wirtschaft auch in meinem aktuellen Wirkungsbereich einen sehr großen Raum einnimmt, fühle ich mich hier sehr heimisch. Ich möchte meiner Aufgabe gern solange nachkommen, wie ich dazu in der Lage bin – vorausgesetzt ich erhalte dafür wieder ein Mandat. Ich bin sicher kein Mensch, der nichts tut und sich zurücklehnt. Ich möchte gern weiter säen, und auch noch in einigen Jahren dabei sein, wenn die Früchte dieser Saat aufgehen.

Was nicht bedeutet, dass sie im Fall eines Endes Ihrer politischen Karriere nichts mehr zu tun hätten…

Das sicher nicht. Ein verantwortungsbewusster Mensch – und als solcher sehe ich mich – wird immer Aufgaben finden, die ihn ausfüllen. Ich engagiere mich nicht nur politisch, ich stehe auch seit vielen Jahren im Bereich Tierschutz an vorderster Stelle. Die Aufgabe als Präsidentin des Tierschutzvereins Nürnberg erfordert Einsatz, dem ich gern nachkomme.

Womit wir wieder zurück in Franken wären.

Natürlich ist es meine Aufgabe, als gewählte Vertreterin auch und gerade Nürnberger Interessen auf Bundesebene zu vertreten. Die Metropolregion Nürnberg verdient besondere Beachtung. Die Stärkung Nürnbergs als Wirtschaftsstandort zählt natürlich zu meinen Hauptinteressensgebieten. Die Menschen, die in Franken leben, sollen hier für sich und ihre Familien optimale Bedingungen vorfinden.

Bekommt Nürnberg die Aufmerksamkeit, die es braucht – und verdient?

Ich spanne den Bogen mal etwas weiter: Bei meiner täglichen Arbeit in Berlin stelle ich oft genug fest, dass Nürnberg zu wenig zur Kenntnis genommen wird. Welche Power sich hier finden lässt, dass Nürnberg allein über eine halbe Million Einwohner zählt, dass es hier mehr gibt als nur eine Burg und eine Stadt mit Vergangenheit, das nehmen immer noch zu wenige Menschen zur Kenntnis. Aber wer einmal in Nürnberg war und sich davon überzeugt hat, was hier vorzufinden ist, der wird immer wieder begeistert davon berichten, und auch immer wieder gern nach Nürnberg zurückkehren.

Wie würden Sie persönlich Ihr Nürnberger Umfeld charakterisieren?

Ich will mit einer kleinen Anekdote die Nürnberger Mentalität versuchen zu beschreiben: Es wird häufig behauptet, wenn in einem Nürnberger Lokal zehn Besucher sitzen und das Lokal zehn Tische umfasst, dann sei jeder Tisch besetzt. Das beschreibt aber nur, dass die Nürnberger Mentalität nicht die einfachste ist. Aber wer hier einmal Partner gewonnen hat, oder gar Freunde, der kann sicher sein, dass er sich auf diese Menschen verlassen kann, in jeglicher Hinsicht. In Nürnberg spiegelt sich die gesamtfränkische Mentalität wider: Wir sind eigenbrötlerisch-liebenswert.

Abschließend einige kurze Stichworte: Bevorzugen Sie Sekt oder Selters?

Lieber Selters, davon kann man mehr trinken, ohne es zu bereuen.

Tofu oder Steak?

Das fragen Sie eine Fränkin? Steak ist mir wesentlich lieber.

Was war der schönste Moment in Ihrem Leben?

Die Geburt meiner Kinder.

Vielen Dank für das interessante Gespräch, Frau Wöhrl.

Wolfgang Weber
www.franken-manager.de

Dagmar Wöhrl, fränkische Unternehmergattin, engagierte Politikerin und Stifterin im Interview mit dem FRANKEN MANAGER

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