Mehr Aufmerksamkeit für Migrantenökonomie
Am vergangenen Samstag traf die Bundestagsabgeordnete Dagmar Wöhrl die Vorsitzenden ausländischer Unternehmervereine aus Nürnberg, um mit ihnen über verschiedene Aspekte des Themas Migrantenökonomie zu sprechen. Mit dabei waren nicht nur Vorsitzende und Mitglieder des seit 1992 bestehenden Deutsch-Türkischen Unternehmervereins in Mittelfranken e.V. (TIAD), sondern auch die Vorsitzenden des erst kürzlich gegründeten Vereins zur Förderung griechischer Unternehmer der Metropolregion Nürnberg (VGU) und des Verbands Russischsprachiger Unternehmen in Bayern (VRU).
Wöhrl lobte die vielfältigen Aktivitäten von TIAD bei der Unterstützung von Existenzgründern und möchte auch in Zukunft an die erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem türkischen Unternehmerverein aus ihrer früheren Funktion als Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium anknüpfen. Sie begrüßte es sehr, dass sich in der Metropolregion Nürnberg neben dem Deutsch-Türkischen und dem Deutsch-Russischen nun auch ein Deutsch-Griechischer Unternehmerverein gegründet hat. Mit insgesamt 588 Gewerben bilden die griechisch-stämmigen Unternehmer nach den Türken die zweitstärkste Gruppe in unserer Stadt.
„Migranten sind eine bedeutende unternehmerische Kraft in unserem Land – ihr Gründergeist ist beeindruckend. Immer häufiger gründen Migranten eigene Unternehmen und schaffen Arbeitsplätze. Damit diese Unternehmer mit einer Stimme sprechen und in der Politik Gehör finden, ist es sehr wichtig, dass sie sich in Verbänden organisieren, wie das in Nürnberg der Fall ist“, so Dagmar Wöhrl.
Gerade für Existenzgründer mit Migrationshintergrund sei es dringend erforderlich, Ansprechpartner an ihrer Seite zu haben, die sie bei ihren Schritten in die Selbstständigkeit unterstützen – etwa um sprachliche, bürokratische oder finanzielle Hürden zu überwinden. So können Unternehmerverbände in Partnerschaft mit dem Staat wichtige Dienstleistungen erbringen.
Verbesserungsbedarf sieht Wöhrl vor allem bei der Ausbildungsbeteiligung:
„Nur 14 Prozent ausländischer Unternehmen beteiligen sich an der betrieblichen Ausbildung. Diese Quote liegt deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 25 Prozent und muss dringend erhöht werden!“ So fördert die unionsgeführte Bundesregierung zum Beispiel seit kurzem Ausbilderseminare für Fachkräfte und Unternehmer mit Migrationshintergrund. Ziel ist es, dass bis Ende 2010 1.000 zusätzliche Migranten eine Ausbildungsberechtigung erhalten.
Besonders am Herzen liegt Wöhrl die Anerkennung ausländischer Bildungs- und Berufsabschlüsse: „Die Eckpunkte für eine gesetzliche Regelung sind vom Kabinett längst beschlossen. Jetzt muss innerhalb dieses Jahres zügig ein Anerkennungsgesetz auf den Weg gebracht werden. Dafür setze ich mich ein, denn wir brauchen endlich ein transparentes und unbürokratisches Anerkennungsverfahren für alle Zuwanderergruppen.“
Pressemitteilung, 22 Juni 2010
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Migranten bilden Migranten aus
Immer mehr junge Menschen in Deutschland haben einen Migrationshintergrund. Mittlerweile sind es 1,1 Millionen Jugendliche zwischen 10 und 15 Jahren. Die steigende Zahl der jungen Migranten ist Chance und zugleich große Herausforderung. Denn noch ist ihre Ausbildungssituation deutlich schlechter als die von gleichaltrigen Deutschen. So absolvieren zum Beispiel nur rund ein Drittel der ausländischen Jugendlichen eine Berufsausbildung. Bei den deutschen Jugendlichen sind es hingegen rund zwei Drittel.
Wir brauchen daher unbedingt mehr Ausbildungsplätze für junge Migranten. Unternehmer mit Migrationshintergrund können dabei eine wichtige Rolle spielen. Derzeit gibt es in Deutschland rund 580.000 Betriebe, deren Inhaber Migranten sind. Ihre Wirtschaftskraft ist enorm und wächst immer weiter. Doch leider bilden sie zu wenig aus. Nur 14 Prozent beteiligen sich an der betrieblichen Ausbildung. Das ist deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt von 25 Prozent.
Die Ausbildungsbeteiligung dieser Betriebe muss dringend erhöht werden. An erster Stelle gilt es dabei ein Informationsdefizit zu verringern. Viele Unternehmer mit Migrationshintergrund sind kaum mit dem deutschen Bildungssystem vertraut. Sie wissen häufig nicht, ob und wie sie ausbilden können. Viele glauben zum Beispiel, ihr Betrieb sei zu klein oder sie dürften aufgrund ihrer fehlenden deutschen Staatsbürgerschaft nicht ausbilden. Hinzu kommen bürokratische, finanzielle und sprachliche Barrieren. Der Nachweis einer Ausbildungsberechtigung stellt für einige Betriebsinhaber ebenso ein Hemmnis dar wie die Angst vor zu hohen Ausbildungskosten und mangelnden Deutschkenntnissen.
Hier gilt es anzusetzen. So fördert die unionsgeführte Bundesregierung zum Beispiel seit kurzem Ausbilderseminare für Fachkräfte und Unternehmer mit Migrationshintergrund. Ziel: Bis Ende 2010 sollen 1.000 zusätzliche Migranten eine Ausbildungsberechtigung erhalten.
Wir brauchen noch mehr solcher Projekte. Das Motto muss lauten: Migranten bilden Migranten aus.
Damit stärken sie sich gegenseitig. Denn einerseits bekommen Migranten-Betriebe begehrte Fachkräfte. Andererseits eröffnen sich für die jungen Migranten neue Aufstiegschancen in unserem Land. Der Vorteil für beide Seiten liegt auf der Hand. Wir müssen nur zugreifen. Daher appelliere ich an alle Unternehmer mit Migrationshintergrund: Bildet aus!


