Schubladen-Denken war noch nie hilfreich. Investitionschancen des deutschen Mittelstandes in Entwicklungsländern
Wer kennt sie nicht – die Schubladen in unserem Kopf.
Manchmal sind unsere immer gleichen Denkmuster überlebenswichtig – häufig aber bilden sie unnötige Denkschranken. Und ist etwas oder jemand erst einmal in eine unserer Schubladen einsortiert, ist es ziemlich schwierig diese Einteilung wieder rückgängig zu machen.
Entwicklungsländer sind wichtige Wirtschaftspartner. – Bei den wenigsten wird sich eine derartige Schublade befinden. Dieses Verständnis hat sich bei uns viel zu spät in der öffentlichen Wahrnehmung durchgesetzt. Das haben beispielsweise die Chinesen schneller erkannt. Sie machen mit den Ressourcen und Märkten der Entwicklungsländer nun gute Geschäfte – nicht immer im Interesse einer internationalen Entwicklungszusammenarbeit.
Lesen sie den kompletten Artikel von Dagmar G. Wöhrl (Vorsitzende des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung im Deutschen Bundestag) zum Thema „Investitionschancen des deutschen Mittelstandes in Entwicklungsländern“ nach dem Klick. [...]
2010 – Optimismus wagen
Ein neues Jahr hat begonnen. Und ich hoffe sehr, das dieses Jahr von allen lautstark empfangen wurde. Denn bekanntlich diente die Silvesterknallerei ursprünglich dazu, die bösen Geister des vergangenen Jahres zu vertreiben.
Wir sind auf einem guten Weg. Während vor einem Jahr die Wirtschaft noch massiv einbrach, erleben wir seit einiger Zeit einen spürbaren Aufwind – insbesondere weil die Staaten in aller Welt beherzt eingegriffen haben. Dennoch ist die Krise noch längst nicht vorbei.
2010 stehen wir vor vielen Herausforderungen. So wird der strukturelle Wandel voranschreiten, denn in vielen Wirtschaftsbereichen wurden in den letzten Jahren Überkapazitäten aufgebaut. Um Arbeitsplätze zu sichern, müssen daher innovative Unternehmen, die neue Wachstumsfelder bestellen, weiter intensiv unterstützt werden. Deswegen war es mir als Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium immer so wichtig, die Innovationsförderung zu erhöhen – insbesondere für die kleinen und mittleren Unternehmen. Mittlerweile sind wir im Hightech-Bereich auf den internationalen Märkten sehr gut aufgestellt und deswegen rufe ich auch im neuen Jahr allen zu: Lasst uns Optimismus wagen!
Dieser Optimismus ist kein naiver Optimismus. Er beruht auf Fakten. So sind z. B. deutsche Unternehmen im Bereich der Umwelttechnik weltweit führend. Trotz der Wirtschaftskrise gehen Prognosen davon aus, dass sich bis 2020 der Umsatz der Umweltindustrien auf 3.100 Mrd. Euro mehr als verdoppeln wird. Moderne Umwelttechnologie kann dafür sorgen, dass ressourcenschonender produziert und mehr auf nachwachsende Rohstoffe zurückgegriffen wird. Gleichzeitig lassen sich CO2-Emissionen einsparen, wodurch der Klimawandel gebremst wird.
Damit stellen sie eine wichtige Brücke dar, um Umweltschutz und Wirtschaftswachstum miteinander zu vereinbaren. Der Klimagipfel in Kopenhagen hat gezeigt, dass wir solche Brücken dringend brauchen.
Gerade die Entwicklungsländer benötigen Raum für Wachstum. So hat z. B. Afrika in den Jahren vor der Krise eine insgesamt beeindruckende wirtschaftliche Entwicklung gezeigt. In Subsahara-Afrika waren in den vergangen Jahren 5% bis 7% Wirtschaftswachstum die Norm. Das Potential für noch mehr Wachstum ist riesig. Dennoch liegen bedeutende Kräfte brach. So sind z. B. viele Gebiete von der nationalen Stromversorgung abgeschnitten. In regionalen Wirtschaftsunternehmen tappt man nach Sonnenuntergang oft im Dunkeln. Mit Strom aus erneuerbaren Energien ist es möglich, auch nach Sonnenuntergang zu arbeiten, wodurch neue Arbeitsplätze entstehen können – vor allem in den armen ländlichen Regionen.
Deutsche Unternehmen haben bei den umweltfreundlichen Energien einen Weltmarktanteil von ca. 30%. Hier stehen die Chancen also gut, dass es ein deutsches Unternehmen ist, dass Afrika die Technologien liefert, mit denen ein nachhaltige Wirtschaftswachstum gelingt. Was gibt es besseres, als gleichzeitig Armut zu lindern, den Klimawandel aufzuhalten und dabei auch noch Arbeitsplätze in Deutschland zu schaffen?
Meine Antwort: Nichts! Und deswegen werde ich mich auch als Vorsitzende des Bundestagsausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung intensiv darum bemühen, dass in den armen Ländern der Welt gute marktwirtschaftliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit deutsche Technologien zum Entwicklungsbeschleuniger werden können.
Banken nicht aus der Haftung entlassen!
Für mich als Wirtschaftspolitikerin hat momentan eine Sache Priorität: Die Finanzierung von kleinen und mittleren Unternehmen sichern. Dazu müssen wir die Funktionsfähigkeit des Bankensystems wiederherstellen. Allerdings gibt es hier keine Blaupause für den besten Weg.
Bei den ganzen Diskussionen um Bad Banks & Co. sind mir vor allem zwei Dinge wichtig:
Erstens muss eine Lösung dahin führen, dass mehr Kredite an den Jobmotor Mittelstand fließen. Er ist das Fundament unserer Wirtschaft und wird den kommenden Aufschwung tragen.
Zweitens müssen die Banken für das Schlamassel gerade stehen, das sie angerichtet haben. Der Steuerzahler darf erst dann belastet werden, wenn die Eigentümer der Bank vollständig herangezogen wurden. Es darf nicht dazu kommen, dass jetzt einfach Steuermittel auf den Tisch gelegt werden, um kritische Wertpapiere zu kaufen. Der Staat kann aber mit Garantien die Abwicklung von Wertpapieren über einen längeren Zeitraum begleiten. Für diese Garantien müssen natürlich Gebühren gezahlt werden.
Ich werde mich in der Bundesregierung weiter dafür einsetzen, dass diese Grundsätze stark bleiben. Für mich ist der Staat nicht nur Krisenmanager, sondern auch Treuhänder von Steuergeldern. Und klar ist auch: Nur diejenigen Lösungen, die das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger gewinnen, sind tragfähige Lösungen.
Pakt für Deutschland – auch Innovatoren werden gefördert
Kerngedanke des zweiten Konjunkturpakets der Bundesregierung ist: Wir wollen die Krise nicht einfach überstehen; wir wollen die Perspektiven für die wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes verbessern. Das bedeutet in erster Linie: Investitionen in Zukunftsbereiche.
Daher war es mir besonders wichtig, dass wir in der Bundesregierung mit unserem Pakt für Deutschland auch den innovativen Mittelstand zusätzlich fördern. Damit gehen wir konsequent unseren Weg. Die unionsgeführte Bundesregierung hat in den letzten Jahren die Trendwende in der Innovationspolitik eingeleitet. Zuständig für die Technologieabteilung des Bundeswirtschaftsministeriums habe ich mich dafür stark gemacht, dass aus dieser Trendwende vor allem ein kraftvoller Schub für die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) resultiert.
Über 110.000 deutsche KMUs kommen jährlich mit neuen Produkten und Prozessen auf den Markt. Diese Unternehmen spielen als Ideengeber und Zulieferer eine besondere Rolle. Gleichzeitig sind sie ein Jobmotor unseres Landes. Deswegen haben wir im Bundeswirtschaftsministerium die Mittel für die Förderung von forschenden KMU innerhalb von 4 Jahren um ca. 70 % erhöht. Für mich persönlich ganz entscheidend: Auch nach Nürnberg fließen Fördergelder in Millionenhöhe. Um die Förderung weiter zu verbessern, habe ich das „Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand“ (ZIM) vorangetrieben. Wir haben hier unsere Förderung für den innovativen Mittelstand in einem Programm gebündelt. Das ZIM ist ein Riesenerfolg.


