Statement Dagmar Wöhrl anlässlich der Gründung der DESERTEC-Industrieinitiative am 13. Juli 2009 in München
Die Nachricht vom „Solarstrom aus der Wüste für Deutschland“ hat im besten Sinne des Wortes Wellen geschlagen. Die Pläne des DESERTEC Konsortiums sind durchaus als visionär zu bezeichnen – in Bezug auf die Technologien, das Potential und die Dimension des Vorhabens. Ohne Visionen gibt es auch keine Entwicklung. Eine Stromerzeugung, die verspricht, in großem Umfang verfügbar, grundlastfähig, CO2-frei und – zumindest zu einem späteren Zeitpunkt – wettbewerbsfähig zu sein, ist hochinteressant.
Das Bundeswirtschaftsministerium, zuständig für die Energieversorgung und die Stromnetze, ist an solchen innovativen Ansätzen naturgemäß besonders interessiert. Investitionen in Klimaschutz und Erneuerbare Energien sind notwendig, in Europa und bei unseren nahen Nachbarn in Nordafrika. Sie erschließen die Treibhausgasminderung, die wir brauchen, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Und sie erschließen uns mit der Nutzung der Sonnenstrahlung in Solarkraftwerken einen Energieträger, der für die Energiebedürfnisse nahezu unbegrenzt vorhanden ist. Für den Klimaschutz ist es dabei nachrangig, wo die Emissionsminderung erfolgt und wo der in Solarkraftwerken erzeugte Strom verbraucht wird.
Mit High-Tech in die Energiezukunft
Als ich vor kurzem mit Schülerinnen und Schülern über Politik diskutierte, fragten sie mich: Frau Wöhrl, wieso reden Sie so viel über Energie? Die Antwort war schnell gefunden: Stellt euch vor wie die Welt aussah, als eure Großeltern klein waren. In den 30’er Jahren des vorigen Jahrhunderts lag der globale Primärenergieverbrauch bei 1,2 Milliarden Tonnen Öleinheiten. Es gab ca. 10 Millionen Pkws auf der Welt und der globale Pro-Kopf-Stromverbrauch lag bei 140 kWh.
Heute verbrauchen wir fast 11 Milliarden Tonnen Öl – 10 mal so viel wie 1930. Es gibt 800 Millionen Pkws auf der Welt und der globale Pro-Kopf-Stromverbrauch liegt bei 2800 kWh. Die internationale Energie Agentur schätzt den weltweiten Anstieg des Energieverbrauchs bis 2030 auf über 50%. Die sich rasant entwickelnde Informationsgesellschaft trägt viel dazu bei. Fachleuten zufolge wird das Internet weltweit inetwa 20 Jahren so viel Strom verbrauchen wie gegenwärtig die ganze Welt! Schon heute verbraucht ein einziger Google-Klick so viel Energie wie eine Energiesparlampe in einer Stunde.
[...]


