Girls Day einmal anders – Junge Naturwissenschaftlerinnen aus Nürnberg blicken hinter die Kulissen des politischen Berlin

Zum diesjährigen Girls Day am 14. April hatte sich die Bundestagsabgeordnete Dagmar Wöhrl etwas Neues einfallen lassen: Anstatt – wie diesem Tag üblich – jungen Mädchen Einblicke in die vielfach von Männern dominierten technischen und naturwissenschaftlichen Berufsfelder zu geben, lud die Abgeordnete Studentinnen der Georg-Simon-Ohm Hochschule aus Nürnberg zu einem Blick hinter die Kulissen des politischen Berlin ein. [...]
Mädchen für Männerberufe begeistern!
Am 23. April 2009 findet bereits zum neunten Mal der Girls´ Day statt. Auch ich gehe mit einer Gruppe von rund 20 Mädels der Nürnberger Peter-Vischer-Schule auf Tour. Wir besuchen zunächst das Fraunhofer-Institut im Nordostpark, wo die Mädchen anhand spannender aktueller Projekte aus dem Bereich Mobilfunk die Arbeitswelt der Technik und Naturwissenschaften kennenlernen werden. Weiter geht es dann zu Franken-TV. Dort gewinnen die Mädchen Einblick in den Beruf von Kamerafrauen und Tontechnikerinnen und können in den Arbeitsalltag eines TV-Senders hineinschnuppern.
Mir ist das Engagement am Girls´ Day sehr wichtig. Denn nach wie vor entscheiden sich Mädchen bei ihrer Berufswahl häufig für „typisch weibliche” Studien- und Ausbildungsgänge, die leider oft schlechter bezahlt und zudem überlaufen sind. Dagegen fehlt in den technischen Bereichen qualifizierter Nachwuchs! Dieser Mangel ist inzwischen so gravierend, dass er allein in den letzten zwölf Monaten zu einem Wertschöpfungsverlust von 28,5 Milliarden Euro geführt hat. Und das nur, weil auf Grund des Fachkräftemangels Stellen unbesetzt blieben oder Aufträge nicht angenommen werden konnten.
Besonders beunruhigt mich, dass sich durch die aktuelle Wirtschaftskrise das Problem des Fachkräftemangels noch verstärken könnte. Denn wenn die Unternehmen jetzt ihre Bemühungen um Fachkräfte drosseln, wird die Lücke noch weiter klaffen, wenn die Wirtschaft wieder anspringt. Mädchen sollten also die Chancen nutzen, die der Fachkräftemangel für sie bietet! Gerade jetzt in Zeiten mit einem angespannten Arbeitsmarkt ist es umso entscheidender, bei der Berufswahl die richtigen Weichen zu stellen.
Die Zukunft bilden. Aufstieg durch Bildung,
Die Zukunft bilden. von Dagmar Wöhrl
Aufstieg durch Bildung. Im Januar 2008 ist die gleichlautende Qualifizierungsinitiative der Bundesregierung gestartet, mit dem Ziel Aus- und Weiterbildung in Deutschland zu verbessern – von der Förderung von Kleinkindern bis zur Weiterqualifizierung älterer Erwerbstätiger. Eine ehrgeizige Initiative, denn klar ist: hier ist eine koordinierte Aktion aller Beteiligten nötig. Und die ist dringend. So ergab z. B. eine aktuelle Studie des BMWi einen Wertschöpfungsverlust aufgrund nicht besetzbarer Stellen beruflich Hochqualifizierter in Deutschland von 18,5 Mrd. Euro (= 0,8% des BIP in 2006)!
Die sinnvollste Investition zur Lösung solcher Probleme ist die in den Nachwuchs. Im Bereich der Technik beispielsweise, wo der Fachkräftemangel besonders stark ist, liegt gerade bei jungen Frauen noch großes Potential brach. Das habe ich selbst immer beim Girls-Day gemerkt: Die Mädchen waren im Betrieb fast noch begeisterter von der Technik als die Jungs. Ein Anteil von nur zehn Prozent Frauen in Ingenieurberufen in Deutschland ist fast schon beschämend. Die Bundesregierung plant daher einen nationalen Pakt zur Gewinnung von mehr Frauen für Hightech-Berufe. Ziel ist eine Verbesserung des Images von Hightech-Berufen als auch die gezielte Förderung von jungen Frauen.
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