Nach 23 Jahren hört Dagmar Wöhrl im Bundestag auf. In BILD spricht sie über die spannende Zeit. – BILD Nürnberg, 17. Juli 2017

Morgens um 11 Uhr gab`s vom Kanzler ein Bier.

Sie war Staatssekretärin, wirtschaftliche Sprecherin der CDU / CSU, ist Chefin des Entwicklungsausschusses in Kultur und im Auswärtigen Ausschuss. Im Oktober macht Dagmar Wöhrl (63) nach 23 Jahren Schluss im Bundestag. In Bild blickt sie auf fast ein Vierteljahrhundert Parlament zurück.

1994 zog sie noch in Bonn in den Bundestag ein – als Anwältin mit Prädikatsexamen. Doch als solche wurde sie nicht gesehen. Eher als Ex-Miss-Germany, zu der sie 1977 gewählt wurde. „Zudem war ich Quereinsteiger, eine Frau, blond, unabhängig, es gab viele Vorurteile. Für mich ein echter Ansporn“, erinnert sich die CSU-Frau. Denn neben Kalibern wie Lambsdorff (✝ 82), Genscher (✝89) oder Stoltenberg (✝ 73) musste sie erst mal bestehen.

Wer von Anfang an zu ihr hielt, war Kanzler Helmut Kohl. (✝ 87) „Er lud mich am zweiten Tag ein, servierte mir um elf Uhr ein Weizen. Als er meine Überraschung sah, meinte er, verschmitzt, das ist doch normal in Bayern. Falls es Probleme in meinem Wahlkreis gibt, soll ich zu ihm kommen.“

Anfangs wohnte Wöhrl im Hotel, traf dort beim Frühstück Staatsgäste wie Gaddafi oder den Dalai Lama. Bei ihr im Büro saßen Prominente wie Bill Clinton oder Bill Gates auf dem Sofa.

Berührungsängste mit dem politischen Gegner hatte Wöhrl nie: Sie arbeitete mit an der „Agenda 2010“ unter SPD Kanzler Gerhard Schröder, ging mit Claudio Roth (Grüne) auf Reisen. Sie handelte die 400-Euro-Jobs aus, setzte sich für den Tierschutz ein und ist längst mir Kanzlerin Angela Merkel per Du. „Am meisten konnte ich aber in der Entwicklungshilfe für Afrika und Asien bewegen“, sagt sie.

Im Herbst ist nun Schluss im Bundestag. Und dann?

„Ich bleibe ein politischer Mensch und engagiere mich weiter für Kinder. Fürs Rosenzüchten zu Hause bin ich nicht gemacht.“

Nach 23 Jahren hört Dagmar Wöhrl im Bundestag auf. In BILD spricht sie über die spannende Zeit. - BILD Nürnberg, 17. Juli 2017

BILD Nürnberg
Von Adrian Mühlbauer
Fotos Karina Parlzer, Bayernpress / Actionpress
18.07.2017

 

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