Dagmar Wöhrl tritt nicht mehr an – Bayernkurier, 08.04.2016

Seit 1994 vertrat Dagmar Wöhrl den für die CSU schwierigen Wahlkreis Nürnberg-Nord im Deutschen Bundestag. Bei der nächsten Bundestagswahl 2017 will die 61-Jährige nicht mehr antreten. Das erklärte Wöhrl in einem sehr persönlichen, teils augenzwinkernden, teils anrührenden Text in ihrem Blog – unter der Überschrift „Nürnberg, es war mir eine Ehre!“

„Wer mich als politische Person begreifen will, muss verstehen, dass ich wohl nie die typische CSUlerin war. Ich bin kein Parteigewächs, habe die Ochsentour aus Schüler Union, RCDS und Junger Union nie gemacht. Ich war eine Quereinsteigerin – für manche in der Partei eine frische Abwechslung, für andere blieb ich immer fremd.“

Mit diesen Worten beginnt ein sehr persönlicher Text von Dagmar Wöhrl, in dem die prominente CSU-Politikerin erklärt, dass sie 2017 nicht mehr für den Deutschen Bundestag kandidiert. Teils ironisch-augenzwinkernd, teils sehr anrührend nimmt sie Abschied von der Politik.

Schon die Anrede „Liebe Nürnbergerinnen und Nürnberger, liebe Politik-Nerds“ deutet an, dass Wöhrl den Politikbetrieb, in dem sie so viele Jahre ihres Lebens verbrachte, stets mit einem gewissen Amusement und Augenzwinkern gegenüberstand. Sie begründet ihren Rückzug so:

„Politik füllt ein Leben aus, erfüllt es aber nicht dauerhaft. Deshalb möchte ich mich im nächsten Lebensabschnitt einer neuen Herausforderung widmen und werde im Herbst 2017 nicht mehr für den Deutschen Bundestag kandidieren.“

Zu diesem Entschluss sei sie folgendermaßen gekommen: [/quote]„Nach dem einen oder anderen Glas Rotwein komme ich in meinem Alter schon einmal ins Grübeln (Ich habe übrigens noch nie von einem erfolgreichen Mineralwassertrinker gelesen).“[/quote]

Seit 1994 vertrat Dagmar Wöhrl den für die CSU sehr schwierigen Wahlkreis Nürnberg-Nord im bundesdeutschen Parlament. Früher hatten in Nürnberg-Nord jahrzehntelang meist SPD-Kandidaten gesiegt. Doch mit viel persönlichem Engagement und Präsenz auch bei unangenehmen Themen und Veranstaltungen eroberte sie die Herzen der CSU-skeptischen Nürnberger im Sturm: Mit Ausnahme der historischen Niederlage 1998 – als die Union insgesamt in ein tiefes Loch fiel und Rot-Grün unter Gerhard Schröder an die Macht kam – gewann Wöhrl in jeder Wahl das Direktmandat in Nürnberg-Nord.

In der Bundesregierung war sie von 2005 bis 2009 Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium. Wöhrl kommentiert diese Phase folgendermaßen: „Es war eine intensive Zeit mit Michl Glos als Minister und eine turbulente mit KT zu Guttenberg…“ Bereits zuvor war sie von 2002 bis 2005 wirtschaftspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag gewesen, nach 2009 wurde sie Vorsitzende des Bundestags-Wirtschaftsausschusses und seit 2013 Vorsitzende des Entwicklungsausschusses. Daneben engagierte sie sich stark in der Internetpolitik und im Tierschutz. Für die CSU fungierte sie von 1995 bis 2003 als Landesschatzmeisterin.

Schon Wöhrls Start im Bundestag war aufsehenerregend: Die frühere Miss Germany (1977) wurde von der Bild-Zeitung umgehend zur „Miss Bundestag“ erklärt. Beruflich ist sie eigentlich freiberufliche Anwältin. Ihr Ehemann ist der Mode- und Luftfahrt-Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl. Ihm und ihrer Familie dankt die scheidende Abgeordnete in sehr persönlichen und bewegenden Worten.

Dagmar Wöhrl formuliert auch ihre weiteren Ziele in persönlichen und humorvollen Worten:

„Weiterhin freue ich mich sehr auf freie Wochenenden, an denen ich regelmäßig unseren Club in der ersten (!) Bundesliga und die Ice Tigers spielen sehen möchte. Und mein Lebenstraum, einmal die Leiche im Franken-Dadord zu sein, steht ja auch noch aus.“

Darüber hinaus wolle sie sich künftig ehrenamtlich für die Entwicklungszusammenarbeit engagieren, erneut für das deutsche Unesco-Komitee kandidieren, um Kindern in Not zu helfen, und sich verstärkt ihrer eigenen Emanuel-Wöhrl-Stiftung widmen, die sich vor allem in Sri Lanka engagiert.

Der Bezirksvorsitzende der CSU Nürnberg-Fürth-Schwabach, Markus Söder, lobte Wöhrls Wirken in den höchsten Tönen.

„Dagmar Wöhrl hat vieles für Nürnberg bewirkt und hat eine hohe Akzeptanz bei den Bürgern. Es wird nicht leicht, sie politisch zu ersetzen. Der Stil, mit dem sie sich verabschiedet, ist grandios und souverän“

, erklärte Söder gegenüber dem BAYERNKURIER.

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08.04.2016
Bayernkurier, Nürnberg-Nord
Redakteur: Wolfram Göll

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