Fachkräftemangel: Wer ernten will, muss säen
Die Wirtschaft brummt nicht mehr ganz so laut, die Arbeitslosigkeit nimmt dennoch immer weiter ab. Ein Arbeitsmarktwunder? Nein, kein Wunder, sondern das Ergebnis ehrgeiziger Reformen. Wir haben in den letzten Jahren viel getan, um Voraussetzungen für unsere Wirtschaft zu schaffen, mit denen auch bei schwierigen Bedingungen der Wachstumskurs gehalten werden kann. Das war nicht leicht. Auch ich musste mit meinem Eifer viele Hindernisse bewältigen: „Das haben wir immer schon so gemacht, das machen wir auch weiter so“. Diesen Satz höre ich leider immer noch oft, wenn ich Menschen ermuntere, neue, bessere Wege zu gehen. Diesen Satz können wir uns aber immer weniger leisten. Wir dürfen mit unserem Elan nicht nachlassen. Nicht jetzt. Denn gerade auf dem Arbeitsmarkt ist noch viel zu tun. Vor allem brauchen wir jetzt eine Reform in den Köpfen, um eines der drängendsten Probleme für unser Land zu lösen – den Fachkräftemangel.
Wer ernten will, muss säen. Eine alte, unumstößliche Bauernregel, die auch auf dem Arbeitsmarkt Gültigkeit hat. Viele Personalchefs aber auch Bildungspolitiker haben sie leider nicht immer verfolgt. Ergebnis: Im Jahr 2006 konnten 230.000 offene Fachkräftepositionen nicht besetzt werden – vor allem in den sog. MINT-Berufen. MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Gegenwärtig fehlen in Deutschland zum Beispiel 95.000 Ingenieure. Allein daraus resultiert ein Wertschöpfungsverlust von 7,2 Milliarden Euro. Eine Studie im Auftrag meines Bundeswirtschaftsministeriums bezifferte den Wertschöpfungsverlust aufgrund des gesamten Fachkräftemangels im Jahr 2006 auf 18,5 Milliarden. Euro. Der DIHK spricht für 2007 sogar von 23 Milliarden Euro.